Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3388504
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1I1. Buch. 
Kapitel. 
Z. Die Nachfolger der klafscsc2en Epoche. 
Kompositionsweise des siebenzehnten nnd achtzehntcu Jahrhunderts, se auch 
die cS. 5 erwähnteJ dreistöckige Eintheilung wieder,ansnah1n, eine ge: 
wisse Kraft und Breite der Zeichnung nnd essektvolle Gegeusähe von Licht 
und Schatten nach der Weise der Caraccisten. Sind aber schon hier die 
Köpfe schwach und die Bewegungen ins Gespreizte getrieben, so ist gerade 
in seinen späteren Arbeiten eine Fliichtigkeit der Form nnd Leere des Aus: 
drucks, im Kolorit eine Buntheit oder ein Wechsel,von Weiß nnd Schwarz, 
die ihn nicht mit Unrecht in den dreißiger Jahren zum Gespötte der Rai 
1nautiker gemacht haben. Ueberhaupt ist die Fliichtigkeit und Nachlässigkeit 
der Ausführung, zu der sich diese Maler durch die bestellten, nach der 
Elle gemesseuen Dnt,;endbilder verleiten ließen, ein Merkmal der herab: 
gekommenen Schule; es ließ sich leicht nnd rasch nach der iiberlicferten 
Schablone arbeiten, nnd indem man das Eine und Andere den Koloristen 
absah, eine äußerlich dekorative Wirkung erreichen. Und so ergab sich, daß 
eine so oberflächliche Ver1nittlung zweier Richtungen die Kunst nur noch 
mehr herunterbringt. Was jene von David hätten behalten können, die 
Kenntniß und strenge Durchbildung der Form, ging bald verloren; dagegen 
blieb ihnen das Gespreizte der akademischen Manier und was sie Neues 
sich aneigneten, beschränkte sich auf eine kokette Buntheit der Erscheinung 
und eine fliichtige Bravonr der Darstellung, die den idealen Monden am 
wenigsten anstehen. 
Wie bemerkt sind in den späteren Malereien des Louvre auch Vor; 
gänge aus der Gesc;ichte Frankreichs behandelt. Wir haben früher ge: 
sehen, wie die Bourbonen die Rückkehr der Kunst zu der Geschichte ihrer 
Vorfahren und daher die Lhoner Schule begiinstigten. Hatte diese aber in 
sittenbildlicher Auffassung mehr die gen1iithliche Seite jener Zeiten hervor: 
gehoben, so sollten die Vertreter des alten Königsgeschlechts dochsauch in 
der Größe ihrer historischen Rollen oder als erhabene Beschützer der Kunst 
und Geftttung in das Gedächtniß des Volkes zuriickgernfen werden. Rai 
tiirlich wurden diese Vorwiirfe,.zu deren monumeutaler Darstellung eine 
gewisse Größe der Auffassung und des Ausdrucks erforderlich war, den 
Nachfolgern der llassischen Kunst übergeben. Diese hatten sich von Anfang 
an nicht gesträubt, den antiken Mantel nach dem neuen Winde zu hängen, 
der sieh aus der politischen Umkehr der Dinge erhoben hatte; sie ließen 
sich gern herbei, die ideale Welt bisweilen Zu verlassen und ihre Stoffe 
der nun fleißig durohsnchten französischen Geschichte, dann der neueren über: 
hanpt zu entnehmen. Es traf sich öfters aus den damaligen Ansstellungen,
        

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