Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3387790
Bildniff e. 
Das Portrait des 
1Ss 
Jahrhunderte. 
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din Chatcaubriands nnd der Stai5l zeigt sich in einem Badegen1ach antikcn 
Styls, wie eben dem Bade entstiegen, mit nackten Armen und Füßen, 
aber den Leib mit einem weißen anliegenden Gewande antiien Schuitts 
verhüllt, in anmuthig nachlässiger, fiSender Haltung. Bewegung nnd Aus: 
drnck haben trotz dieser fast zweideutigen Situation durchaus nichts von 
frivoler Grazie; der Maler hat es verstanden, das die leichte Art der Zeit 
kcnnzeichnende Motiv in den Grenzen einer liebenswürdigen Bescheidenheit 
zu halten. Auch als Ausführung eines seiner besten Portraits: harmonisch 
in der Färbung und in der Form sorgfältig durchgebildet, ohne hart oder 
trocken zu sein. Diesem Bildniß voranfgegangen waren schon diejenigen 
der Mutter und der Gattin des ersten Konsnls, sowie die mehrerer Ge: 
ncrale von schon ausgenmchtem Rufe. Fortan war G6rard der auserwählte 
Portraitn1aler für die Familie und die.nenen Männer, welche Bnonaparte 
allmälig an die Spitze Frankreichs, dann von halb Europa stellte. Sein 
Talent hatte den ric2tigen Ausdruck gefunden und eben deßhalb durohge: 
schlagen; es war auf seiner Höhe schon angelangt, als es auch äußerlich 
seinen höchsten Triumph feierte und 1805 das erste Bildnis; des neuen 
Kaisers, in großem, prächtigcnt Sthle gehalten, dem Fürst Und Maler be:l 
wundernden Lande gab.  
Für die moderne französische Malerei haben die Portraits Gcärards 
eine doppelte Bedeutung: sie bezeichnen einmal gegen die plastische Weise 
Davids nnd seiner unselbständigen Schiller einen entschiedenen Fortschritt 
zum Malerischen, andrcrfeits aber innerhalb dieser ganzen Richtung den 
Gegensatz der neuen Natnranffassung zu der Manier des achtzehnten Jahrg 
hunderts. Die Portraitmalerei dieser Epoche hatte Hyacinthe Rigaud 
 beherrscht. Von ihm stammt die bekannte Weise her, der 
ganzen Erscheinung des Originals den Wurf gesteigerten Selbftgefühls End 
bewußter Ueberlegenheit zu geben und es durch ein ebenso potnphaftes als 
geziertes Wesen über die Alltäglichkeit hinauszuheben; selbst das Beiwerk 
erhielt diesen Charakter herausfordernder Pracht und oft ist es, wie wenn 
in die Draperien des .Hintergrundes und die Gewänder ein Sturm führe, 
um sie in kühne Wellen ansznbanschen. Einem so stolzen Geschlechte hatte 
Rigand mit Recht nicht selten die AttributeHnhthologischer Götter gegeben. 
.s Als dann an die Stelle des oly1npischen Kostün1s i1n Einklang mit 
dem Wechsel der Zeiten das bescheidenere, aber nur um so reizendeke 
Schäsergewand trat, blieb die Auffassung im Grunde dieselbe. Da nur in 
der anspruchsooll umgeworfenen Hülle die Persönlichkeit sich diinkte etwas
        

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