Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3387716
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noch andere Maler die Gestalten Chateanbriands zu vertoerthen, ohne zu 
fühlen, daß gerade diese Figuren ohne Fleisch und Blut für den bildenden 
Künstler wenig dankbar sind. Indessen nur seine Stoffe ließen sie sich 
vom Dichter geben; die ro1uantische Form und DarstellnngsIveise sollte erst 
später und zwar selbständig, ohne unmittelbare Anregung von Seiten der 
Dichtung in die Malerei eintreten. Das Bild Girodets, wohl sein bestes 
Werk, ist in der ftiu1niungsvolleu Anordnung und Beleuchtung, der elegis 
schen Ruhe des Ausdrucks nnd dem harmonischen Zug der Linien 
nicht ohne Reiz; doch das Leiden dieser Menschen bietet zu wenig 
allgemein menschliches Interesse, um in so ansprnchsvolletu Format nnd 
in gleichsam monn1nentaler Erscheinung aufzntreten, und so lassen auch hier 
die Gestalten die Gediegenheit nnd innere Fülle des Lebeus.ver1nisfen.  
Als dann unter dein Kaiferreich die Schilderung der Zeitereignisse in der 
Kunst eine bedeutende Stelle entnahm und die idealen Vorwürfe mehr 
znriickdrängte, versuchte sich auch Girodet in derartigen Bildern: er malte 
,,Napoleon empfängt die Schlüssel von Wiens U808J ein gleichgültiges 
und ziemlich steif gehaltenes Ceretnonienbild und ,,die Eu1pörung von Kairoll 
C1810; beide in VersaillesJ. In letzterem ist der Tumult und die Be: 
wegnng der Kämpfenden ziemlich lebendig, aber die Anordnung wieder un: 
geschickt; ein dreiuhauender Hnsar und ein nackter Araber nehmen fast das 
ganze Bild ein; die übrigen Streiteuden stürzen in uneutwirrbareni Knäuel 
übereinander. Zudem hat Girodet das weitaui8holende Geberdenspiel, das 
man damals den römischen Helden gab, auf seine Soldaten übertragen, 
die so ein seltsam gespreiztes Wesen haben. Die Darstellung solcher realen 
Vorgänge war doch seine Sache nicht. 
Er prodncirte von da an wenig, aufgerieben durch feine unruhige 
Natur nnd seine seltsame Art zu arbeiten, wie er denn meistens tief in die 
Nacht hinein bei Lampenlicht malte. Auch gab er sich mit allerlei poeti: 
scheu Versuchen ab  meistens in der befchreibenden Weise, die damals 
durch Delille anfgekomtneu war  und mit Uebertragnngen Anakreons nnd 
Catulls. Während einer Reihe von Jahren machte er von diesen Studien 
angeregt zu den alten Dichtern eine Reihe von Zeichnungen, namentlich 
zu Anakreon, Moschus3 und Virgil; Sceuen.von wenigen, meistens nackten 
Figuren in der gespaunten akademischen Weise der Schule, mit dem üblichen 
,,llafsischeu0 Liuienzug, in dein nicht selten die Bewegung wie erstarrt ist, 
dabei von fchwächlicher moderner Empfindung. Nur zu einem Gemzi1de 
noch, indem es ih1u offenbar wieder um den Ausdruck einer poetischeu 
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