Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Freie Studien
Person:
Pfau, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3376344
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3379756
Schlußbetrachtung. 
313 
sich  ihn dürstet nach Freiheit. Hüten wir uns jedoch 
zu klagen über solche Ungebühr: diese Widerspenstigkeit ist 
eine der kostbarsten Eigenschaften des Geistes. Nur die 
Materie gehorcht als Sklavin der Gewalt; der Geist ist 
ein Rebell von Hans aus, er erkennt nur seine eigenen 
Gesetze, er folgt nur seinen eigenen Eingebungen: darum 
war er auch nie der Giinstling absolutistischer Regierungen 
und hat sich immer an ihnen gerächt, indem er sie allein 
ließ. Dieser erhabene Eigensinn des Geistes ist das Heil 
der Menschheit. Denn in der That, tvas sollte aus uns 
werden, wenn man die Gedanken kneten könnte, wie man 
die Dinge modelt, die Ueberzeugungen einreißen, wie man 
die Häuser demolirt, dem Willen neue Wege vorzeichnen, 
wie man der Straße neue Bahnen bricht; wenn man 
die Kultur eines Zeitalters umsormen könnte, wie man 
die Regierung eines Reiches umstülpt2 Ahi welch guter 
Genius ist doch dieser latente Geist, der überall gegen: 
wärtig 1md nirgends zu fassen ist; der sich tot stellt, 
sobald man ihm nahe kommt, und sich regt, sobald man 
ihm den Rücken kehrt; der immer arbeitet, unhörbar, 
unsichtbar, wie ein Maulwurf, und mit einem Wihpfeil 
die dickste Mauer durchbohrt, mit einem Schlagwort das 
festeste That sprengt. Die Gewalt mag sich hinter eine 
Hecke von BastilIen und Kasernen verstecken, sie mag sich 
unter einen Haufen von Gesetzen und Erlassen verkriechen 
 solang sie den Herrn Jedermann nicht einfangen kann, 
hat sie nichts erreicht. Der Geist lacht seiner Bergewaltiger, 
denn die Unterdrückung verdoppelt seine Stärke. Je mehr
        

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