Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Freie Studien
Person:
Pfau, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3376344
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3378693
und 
Kunst 
Moral. 
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totzuschlagen. Heutzutage fängt das Glück und das Un: 
glück der meisten Menschen erst da an, wo die zehn Gebote 
aufhören. Eine gesteigerte Kultur hat den groben Grundriß 
der Gesellschaft in die zartesten Schattirungen aufgelöst. 
Die Beziehungen zwischen Mann und Weib, zwischen 
Eltern und Kind, zwischen Herr und Diener; die Kämpfe 
zwischen Regierung und Volk, zwischen Besitz. und Arbeit, 
zwischen Gesamtheit und Individuum; die Gegensäxze 
zwischen Beruf und Neigung, zwischen Amt und Gesin: 
nung, zwischen Vorteil und Ueberzeugung  kurz, alle 
menschlichen Verhältnisse haben sich so vielseitig und so 
feinspurig entwickelt, das; die Fragen von Recht und Pflicht 
in tausendfältigen Formen wiederkehren. Und nun kommt 
dieses arm: und triibselige Christentum, das in achtzehn: 
hundert Jahren nichts gelernt hat als die Bibel auswendig, 
das um fünfzig Generationen menschlicher Kultur zurück 
ist, und verlangt, daß wir uns an seinem blutrünstigen 
Jdealismus erbauen, bei seiner überweltlichen Jgnoranz 
Rats erholen sollen2 Welche Zumutungl Was will es 
denn mit seinem langweiligen Olymp von Märtyrern 
und Fanatikern, wovon der eine immer der Abklatsch 
des andern ist und Dinge idealisirt, die für die heutigen 
Zustände jede Bedeutung verloren haben2 Wenn auch 
die christliche Moral ebenso heilsam wäre, als sie verderblich 
ist, sie würde unserem vielbewegten und vielgestaltigen 
Leben doch machtlos gegenüberstehen. Um die zahllosen 
Konflikte eines solchen Daseins fühlend und denkend zu 
bewältigen, dazu reicht weder das Glaubensbekenntnis
        

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