Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Freie Studien
Person:
Pfau, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3376344
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3377936
und 
Kunst 
Moral. 
13l 
Ausfluß des GerechtigkeitSgefithls in seiner ursprünglichen 
unkultivirten Form und will im Grunde nichts als den 
Beleidiger zur Reue und dadurch zur Anerkennung der 
menschlichen Würde bewegen, welche dieser im Beleidigten 
verkannt hat. Von dem Augenblicke jedoch, wo unser 
Gegner sein Unrecht einsieht, unsere Verzeihung erbittet 
und seinen Fehler gutzumachen verlangt, hört unser Rache: 
durst auf, und wenn wir keine Wilden sind, haben wir 
nichts mehr zu thun, als ihm die Hand zu geben. So 
kann auch die Gesellschaft die Rache nur dadurch veredeln, 
das; sie die Strafe in Besserung verwandelt. Freilich 
bleibt auch die unfreiwillige Besserung ein gewaltsames 
Mittel, das jedoch einerseits durch die soziale Notwendig: 
lett des Reehtsbestands, andrerseits durch die mangelhafte 
Zurechnungi3fähigkeit des Besserungsbediirftigen, der erst 
zur Freiheit erzogen werden 1nuf;, gerechtfertigt wird. 
Auch ist der Uebertretung gegenüber die Sühne in Form 
einer Buße nicht zu entbehren, weil das GeseH einer 
Sanktion bedarf. Aber gleichwohl ist es zweierlei, ob 
die Justiz auf dem Standpunkte sozialer Notwehr oder 
auf dem moralischer Sirasbefugnis steht; ob sie vom 
Prinzip der Vergütung und Besserung, oder von dem 
der Ahndung und Vergeltung ausgeht; denn nur in 
ersterem Falle wird sie zur Gerechtigkeit, deren Grundlage 
,die Notwendigkeit, deren Ziel die Freiheit ist. 
Die austeileude Gerechtigkeit beruht somit lediglich 
auf der sozialen Notwendigkeit, die Kollektivität zu ver: 
teidigen und zu erhalten, und sie hat daher ihre Thätigkeit
        

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