Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aphorismen zur Lebensweisheit
Person:
Ruskin, John Feis, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3362072
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3364011
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als Grade der Tnnlelheit sind. Und in unserer Zeit 
haben wir uns gegen die verhängnißvollste Verblend: 
ung der zwei sich gegeniiberstehenden Selbstüberschätg,s 
nngen zu wahren: die des Glaubens, der sich vorstellt, 
er könne das Wesen der Gottheit endgültig durch 
Ueberzeugungen offenbaren, und die der Wissenschaft, 
die sich vorstellt, sie könne die Energie der Gottheit 
durch Forschungen erklären. 
Von diesen ist die erstere, die Selbstiiberhebung des 
Glaubens, wie sie es immer war, die gefährlichste, 
nnd zwar durch den schmeichlerischen Wortschwall und 
die Schmiegsamkeit, mit der sie jede schlimme Leiden: 
schaft unserer Natur in das Gewand eines Lichtengcls 
eiukkeidet. Sie ermöglicht es, das; die Se1vst1iebe wie 
man sonst hätte heilsam beschämen könnenJ und die 
grausame Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Ruin unserer 
Mitmenschen sdie man sonst zur Menschenliebe hätte 
umgestalten oder wenigstens durch menschliche Umsicht 
hätte,mindern köunenJ zu einer Geisteskrankheit er: 
starrt, welche wähnt, daß Myriaden Weltbewohner 
seit vier Jahrtausenden wandeln und verkommen mußten 
 viele auf ewig s,vdamit schließlich uns rechtzeitig 
die göttliche Wahrheit erschöpfend gepredigt werde. Hiers 
ans ergiebt sich ein weiteres unmittelbares Uebel, das; 
eine große Anzahl wohlwollender, zartsühlender nnd 
demüthiger Menschen ssie hätten durch wahre Ausdauer 
die Gemeinheit des rohen Haufens mildern und durch
        

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