Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
welcher die Schriften über die Herculanischen Alterthümer, die Abhandlungen von der Fähigkeit der Empfindung des Schönen, und den Versuch einer Allegorie enthält ; Mit 8 Kupfern
Person:
Winckelmann, Johann Joachim Fernow, Carl Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3312740
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3317334
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Schöne ziehet, und kann dunkel und ohne Gründe seyn, 
wie n1it"allen ersten und schnellen Eindrücken zu geschehen 
pfI"eget, bis die Untersuchung der Stücke die Ueberlegung 
zuläßt, annimmt und erfordert. Wer hier Von Theilen 
auf das Ganze gehen wollte, würde ein grammaticaliscl)es- 
Gehirn zeigen, und schwerlich eine Empfindung des Ganzen 
 und eine Entzückung in sich erwecken.  
. satt muß dieser Sinn mehr, als heftig, seyn, weil 
das Schöne in der Harmonie der Theile bestehet, deren 
VoUkdn1menheit ein sanftes Steigen und Sinken ist, die 
 folglich in unsere EmpHndung gleichmäßig wirket, und 
dieselbe mit, einem sanften Zuge führ-et, nicht plötzlich fort- 
vreißet. -Alle heftigen Empfindungen gehen über das Mit- 
telbare hinweg zum Uninittell-aren, da das Gefühl hinge- 
gen. gerühret werden soll, wie ein schöner Tag entstehet, 
durch Anmeldung einer lieblichen Morgenröthe. Es iß 
auch die heftige EmpßndUng der Betrachtung und dem 
Genusse"-des Schönen nachtheilig, weil sie zu, kurz ists: 
,denn sie führet auf einmal dahin, was sie stufenweise füh- 
len sollte. Auch in dieser Betrachtung scheint das Alter- 
thum seine Gedanken in Bilder eingekleidet zu haben, und 
verdeckte den Sinn derselben, um.detn Verstande das Vet- 
gnügen zu gönnen, mittelbar dahin zu gelangen. Es" END 
daher sehr feurige, fIüchtige Köpfe, zur Empfindung des
        

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