Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3303996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3304975
gewesen. 
Daß von den Vielen, die nach Watteaus Vorgang der 
Schilderung des vornehmen Lebens sieh widmeten, an 
Feinheit keiner ihm sgleichkommt, hat mehr psychische als 
technische Gründe. Watteau, der kranke, schwindsüchtige 
Mann, dem nie das Glück der Liebe beschieden war, sah 
die Welt mit dem Auge des Träu1ners. Ein weichcr Zephhr 
trug ihn nach; den elyfisehen Gefilden, wo nichts Erden: 
schwere hatte, alles in poetischen Dust zerfloß. Sein Reass 
lismus ist nur scheinbar. Er besteht in den Aeußerlichi 
keiten der Tracht. Jn Wirklichkeit giebt es keine Kavaliere 
von solcher Grazie, keine Damen von so himmlischem Reiz. 
Nur den Vliitendnst, die Essenz der Dinge strahlen seine 
Bilder aus. Die Prosa des Lebens ist in idealifierender 
Poesie umschrieben. 
Die Folgenden, mit beiden Füßen im Leben stehend, 
malen keine Träume, sondern Wirkliches, keine Elegien, 
sondern die Chronik ihrer Zeit. Daher fehlt ihren Werken 
der poetisch verklärende Hauch, der die Watteaus umweht. 
Sie wirken, mit ihm verglichen, derber, nüchterner, trocke: 
ner. Aber sie erscheinen anmutig, frei und leicht, wenn 
man nicht durch den Gedanken an Watteau die Freude sich 
trübt. Auch bei ihnen giebt es keine Langweile nnd akai 
demisch.e Kälte. Sie folgen der lustigsten, exquisitesten 
Mode, die es jemals gab, und sie folgen ihr mit großem 
Geschmack. Jnstinktiv und ohne Mühe haben sie für die 
leichten sprühenden Dinge, die sie sagen wollen, auch den 
leichten prickelnden Stil gefunden. 
Lancret, der mit Watteau zusammen bei Gillot 
arbeitete,.ist ein feiner delikater Meister, zwar ein Reflex
        

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