Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3302156
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3303170
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Flandern. 
Man würde also in Flandern eine ähnliche Kunst 
wie in Spanien erwarten: eine Kunst, die diisteren 
Fanatis1nus mit dem heißen Odem schwärn1erischer 
Glaubensinbrunst eint. Doch das Gegenteil findet man. 
Die Kirc;en haben nicht die schwüle Stimmung, das 
1nystische F2albdunkel, das in den spanischen hcrrsiht. 
Jn riesige Prunksäle glaubt man zu treten. 11eppig 
festlicher Glanz, goldschimmernder Luxus strömt enti 
gegen. Und inmitten dieses strahlenden Festgepränges 
hängen ebenso üppige, lärmend rauschende Bilder. Dort 
düster braune, hier leuchtend rote, jubilierende Farben. 
Dort Askese und Schwärmerei, hier sinnliche Vermischung; 
dort weltabgewandte Mystik, hier safttriesende Lebens: 
kraft; dort die Abtötung des Fleisches, hier vollbliitii 
ges, von Gesundheit berstendes Epikuräertum. 
Fast unbegreiflich erscheint das nach der puritanii 
schen Prüderie, mit der die Gegenreformatio:r begann. 
Damals wurde den Künstlern verboten, Nacktes dars 
zustellen, damit sie ,,Gott nicht beleidigten und den 
Menschen ein schlechtes Beispiel gebentt. Selbst die 
geschlechtslose Nacktheit auf Michelangelos Jiingstecn Ge: 
richt erschien so anstTößig, daß die Gestalten bekleidet 
wurden. Auf den Bildern der flandrischen Maler sluten 
nackte Menschenleiber daher, und diese Leiber sind fett, 
quammig, quappig. Die Kunst der Gegenrefcr1nation, die 
.1nit dem Verbot des Nackten begann, endete n1it der 
Apotheose des Fleisches.  Anfangs wurden die antiken 
Statuen aus der Oefsentlichkeit verbannt oder  soweit sie 
nicht nackt waren  durch Veränderung der Attribute 
in christliche Heilige verwandelt. Die Künstler 1nieden 
.ängstlich, das Gebiet Oder Antike zu betreten. Die slans
        

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