Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3302156
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3303154
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Spanien. 
waren. So erklärt sich, daß gerade Murillo zu Bei 
ginn des Jahrhunderts i11 so weite Kreise den Gei 
sch1nack fiir spanische Malerei trug. Alle anderen waren 
so herb, so aristokratisch, so zngeknöpft. Murillo, der 
Maler der altspanischen Bourgeoisie, sprach auch zu der 
des 19. Jahrhunderts die verständlichste Sprache, ge: 
wann die Herzen durch die nämlichen Qualitäten, die 
vorher Palma Vecchio, später Angelika Kaufmann, Fritz 
August Kaulbach und Nathanael Sichel zu den Liebs 
lingen ihrer Epoche machten. 
Nach ihm kam nur noch Jof6 Antolinez, ein 
weicher, ein wenig siißlicher und koketter Maler, dessen 
Lieblingsdarstelluugen blonde Magdalenen nnd heilige 
Jungfrauen in der Him1nelsglorie waren. Beim jünges 
ren Herrera ist die spanische Religiosität zur reinen 
Theaterempsindung geworden. Ein Weltkind, schaltet er 
mit den Gestalten des Kultus ebenso operettenhaft, wie 
einst in Jtalien Filippino Lippi. In Roseuduft und 
Veilchenblau ist alles ausgelöst. Mit der Miene des 
Don Juan schwebt Hermengild empor. Der legte 
Spanier, Juan de Valdes Leal, der dämonisch 
düstere Meister, ist kaum mehr in diese Zeit zu rechs 
neu. Das Bild von ihm mit den Särgen und ver: 
westen Leichen, über die eine Hand aus dem Gewölbe 
eine Wage hält, kündigt schon die grausigen Radierungen 
an, die im nächsten Jahrhundert Goya schuf.
        

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