Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3300470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3301550
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Die Vereinigung 
Stile. 
der 
Statt auszugeben, saugt er ein. Statt männlicher Zeugungss 
kraft überwiegt bei ihm das weibliche Element, Empfänglich: 
keit für das von anderen Geleistete. Nur so erklärt sich die 
ungeheure Zahl von Werken, die er während seines kurzen 
Lebens schuf. Die receptiosie Künstlernatur, die es je ge: 
geben, faßt er alle Fäden in feiner Hand zusammen, formt 
die Werte, die die einzelnen Genicn geschaffen, zu einer neuen 
Stileinheit um. Bald ist Perugino oder Leonardo, bald 
Fra Bartolommeo oder Sebastiano, bald Michelangelo oder 
ein griechischer Bildhauer seine Quelle. Nur hinter der 
Leinwand, fast wesenlos, steht der schöne Jüngling des Selbst: 
porträts, die Ecken seiner Vorbilder abfchleifend, ihre Eigen: 
art befänftigend, ihre Schrofsheiten mildernd. 
Schon fein Vater Giovanni Santi hatte diese 
eklektische Vielseitigkeit, folgte mit viel Anpafsungsvermögen 
bald der paduanischen, bald der umbrifchen Schule und ver: 
einte mit dem Malerberuf den des Schriftstellers. Beim 
Sohne wurde der Eklekticismus zur Genialität. Während 
Leonardo und Michelangelo gleich in ihren Erstlingswerken, 
dem Engel und der heiligen Familie, mit neuer Kraft ein: 
setzen, verwendet Rafael seine Kraft darauf, noch einmal die 
Entwicklung der italienischen Kunst von Perugino bis Micheli 
angeln zu durchlaufen. Wie die ersten Zeichnungen, die sich 
vom Knaben erhalten haben, Kopien nach den Philofophen: 
bildnissen And, die Justus von Gent in der herzoglichen 
Bibliothek von Urbino malte, bewegt er in feinen frühesten 
Bildchen sich ganz in den Bahnen seines umbrischen Lehrers. 
Die Madonna der Sammlung SolIy, die Jungfrau zwischen 
Franziskus und Hieronymus, die Madonna Connestabile 
unterscheiden sich nicht von den Erzeugnissen der.umbrif.cben, 
Schule, enthalten die nämlichen weichen sentimentalen Ges
        

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