Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3300470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3301513
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Das 
und Titanis ehe. 
Majestätisc92 
weltlicher Eleganz, in die aparte Familie der Filippino Lippi, 
Melzi und Voltraffio gehörig. 
Und sind wir uns klar darüber, was zu del Sarto uns 
zieht, so wissen wir auch, weshalb Fra Bartolommeo 
so fremd uns anmutet. Bei del Sarto finden wir Menschen, 
die majestätisEh sind und doch noch Seele haben. Bei Fra 
Bartolommeo zeigt sich, wie schwer die Apotheose des Körpers, 
die das eigentliche Ziel der Kunst des 16. Jahrhunderts 
bildet, sich mit seelischer Feinheit verträgt. Es kommt bei 
ihm das Stadium, wo kein Empsinden mehr die mächtigen 
Formen beseelt, wo die Majestiit in Hohlheit übergeht. Der 
Körper, im Quattrocento das zarte Gefäß der Seele, ist ein 
imposanter Topf ohne Jnhalt. Eine riesige Wandlung, die 
sich im Laufe eines Jahrzehnts vol1zogl Fra Bartolommeo 
gehörte mit BotticelIi und Perugino noch zu denen, die 1498 
sich um Savonarola scharten. Er war Ordensbruder Fra 
Giovannis und Savonarolas, lebte in demselben Kloster, wo 
der eine gemalt und der andere gepredigt. Er ist der Leiter 
der mit dem Markuskloster verbundenen Kunßwerkstatt, hat 
im Verein mit seinem Freund Albertinelli alle Kirchen 
Toskanas mit Altarbildern versorgt. Und der Mystieismus 
des Fiesole ist ebenso vergessen, wie die zarte Jnnerlichkeit 
Peruginos. Für diese älteren Meister existierte die schöne 
Form noch nicht. Die Form ist nur schön, sofern Ae durch: 
geistigt, von Empfindung beseelt ist. Jetzt wird im Kloster 
von Sau Marco die Gliederpuppe erfunden. Man denkt, 
wenn Bartolommeos Name genannt wird, an körperlich ge: 
waltige, geistig unbedeutende Apostel und Propheten, denkt 
an die Worte, die Goethe über solche Werke schrieb: ,,Es 
find die biblischen Stücke alle durch kalte Veredlung;und ge: 
steiste Kirchengeschicklichkeit aus ihrer Einfalt und Wahrheit
        

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