Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3300470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3301910
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Venedigs und 
Kampf 
Spaniens 
Rom. 
gegen 
Es sei eine Blasphemie, den himmlischen Vater als Jupiter, 
die Heiligen als antike Herden darznstelIen, die Madonna 
zur Liebesgöttin, die christlichen Märtyrerinnen zu Hetären zu 
machen. 
Daß dieses Schreiben aus Venedig kam, ist bezeichnend. 
Das alte, starre, byzantinische Venedig schickt sich an, be; 
stimmend in den Entwicklungsgang der italienischen Kunst 
einzugreifen, auf die Renaissance des Altertums wieder die 
Renaissance des Mittelalters folgen zu lassen. 
Noch immer war die Zeit nicht reif. Wie im 15. Jahr: 
hundert erst Ghirlandajo austreten mußte, bevor Savonarola 
erschien, mußte das 16. Jahrhundert bis an die änßerste 
Grenze in der Verweltlichung des Kirchli8hen gehen, bevor 
die Reaktion einsetzen konnte. Und der Ghirlandajo des 
16. Jahrhunderts kam. Ein Fremder, aus Verona nach der 
Lagunenstadt gekommen, Paolo Cagliari, wurde der 
Festmaler Venedigs. Der weltliche Geist des Einquecento 
feierte in seiner glitzernden Kunst den letzten höchsten Triumph. 
Ein alter Schriftsteller beschreibt ein. Fest, das der 
venetianiskhe Senat Heinrich 111. gab. 200 der schönsten 
Gentildonne, ganz in weiß gekleidet, mit Perlen und Ding 
manten bedeckt, empfingen ihn, so daß der König meinte, in 
ein Reich von Göttinnen und Feen zu treten. Paolos 
Malereien im Dogenpalast sind von ähnlich feenhaster Pracht. 
Da entfaltet sich die ganze Herrlichkeit Venedigs. Abgesandte 
des Volkes begrüßen den Dogen, schöne Frauen lächeln von 
Marmorbalustraden hernieder. Kavaliere auf prächtigen Rossen 
sprengen daher. Auch AlIegorien, die Treue, das Glück, die 
Milde, die Mäßigung, die Wachsamkeit, die Vergeltung soll 
man sehen. So steht es im Bädeker, aber aus den Bildern 
sieht man es nicht. Denn Veronese malt nur schöne Frauen
        

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