Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3300470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3300842
Der 
Einfluß 
Leonardos. 
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schwermütiger Frömmigkeit, kommende: Leiden denkend, starren 
sie ins Leere. In dieser Resignation, diesem vollkommenen 
Verzicht auf alle Erdenfreuden verkörpern sie den ethischen 
Gehalt, den innersten Geist des Christentums. Leonardos 
Werke haben keine kirchliche Stimmung. Nicht mehr an Dome 
denkt man, wo der Weihrauch zitternd zum Himmel steigt. 
Das odeur de femme scheint tm die Stelle des WeihraUcJs 
getreten. Die Sinne dieser Weiber sind erwacht, und sie 
entsagen nicht. Wie ein verhaltenes erotisches Erbeben zuckt 
es um ihren Mund. Jener feuchte Schimmer, den die Griechen 
der Liebesgöttin gaben, glänzt in ihrem Auge. Während 
Botticelli seine Venus so keusch wie.Maria malte, wird unter 
Leonardos Händen Maria zur Liebesgöttin. 
Auch der Körper macht seine Rechte gegenüber der 
Seele geltend. Jene Aelteren dachten mit MilIet: Wenn 
ich eine Mutter male, soll sie nur schön sein durch den 
Blick, mit dem sie ihr Kind betrachtet. Die irdische Grazie 
Leonardos kann nicht auf den Kopf ßch beschränken. Denn 
Liebreiz ist an den Körper gebunden. Darum umkosen dünne 
Florgewänder die schwelIenden Formen. Jn seinem Suchen 
nach sinnlicher Schönheit mischt er die Reize beider Ge: 
schlechter. 
Auch in seinen Stoffen steht er zu den Künstlern der 
Savonarolazeit in Gegensatz. Die Kreuzigung Christi, seine 
Grablegung, die Beklagung seines Leichnams wurden damals 
gemalt. So düster pathetisch, als ob man die Donnerworte 
des Propheten hörte. An Leonardo da Vinci, dem stahl: 
gepanzerten Jüngling, der auf Verruchios Tobiasbild so 
ruhig daherschreitet, prallten alle Wogen der religiösen Be: 
wegung ab. Bei ihm gibt es nichts Trauriges. Selbst sein 
Abendmahl ist nicht die Schilderung einer wehmütigen Ab:
        

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