Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3298610
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3299864
mit Miniaturen geschmücktes Gebetbuch in der Hand. Die 
folgenden vertaufchten dann das Gebetbuch mit dem Nechnungss 
buch. Aus dem Goldwägerehepaar wurden Sachwalter, Kauf: 
leute, Geizhälfe, Wucherer. Aber auch da ist noch ein bibli: 
fcher Inhalt angenommen. Wenigstens sind dem sWiener 
Bilde die Worte aus dem Gleichnis vom Herrn und dem 
ungerechten Haushalter beigesetzt. Und namentlich: die Bilder 
sind nicht selbständig. sondern bilden das Gegenstück zu den 
ebenso häufigen Darstellungen des Hieronymus. Der Freude 
am Jrdifchen, die in den Geldwechslerbildern geschildert ist, 
wird in den HieronymUsbildern die Moral: alles ist eitel 
gegenübergestellt. Neben den Werken, die den Menschen in: 
mitten seines Reichtums darstellen, stehen andere, die ihn an 
die Vergänglichkeit des Jrdifchen mahnen. Erst allmählich 
traten die Hieronymusbilder zurück und der biblische Grund: 
gedanke der Kaufmannsbilder ward vergessen. Pfandleiher 
und Advokaten, von Zetteln und Akten umgeben, sitzen in 
ihrem Bureau und heimsen von ihren Klienten Geld und 
Naturalien ein. Breit ausgemalte Sittenbilder treten an die 
Stelle der ursprünglichen AlIegorien. Auch der Ausdruck der 
Köpfe ändert sich. Anfangs war er gewöhnlich bis ins Leidens 
schaftliche verzerrt, weil eine Kunst, die Ach vorzugsweise mit 
den pathetischen Scenen der Passion besc;äftigte, unbewußt 
dieses Pathos in ganz einfache Stoffe aus dem Alltagsleben 
hineintrug. Nun macht dieses forcierte Grimafsieren einer 
ruhigen Geschäfts1niene Platz. 
Die ,,Schachpartiett des Lukas van Leyden ist für 
das patbetische Element der älteren Sittenbilder besonders 
bezeichnend. Die Leute gebaren sich, als seien sie nicht um 
einen Spieltisch, sondern um das Kreuz des Heilandes ver: 
sammelt. Selbst die gestikulierenden Hände fallen auf und
        

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