Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3298610
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3299644
Memling. 
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sie mit dem Gefühl, das uns vor schönen kranken Mädchen 
befällt. Es ist, als hätte er in die Natur mit den Augen 
des Kranken gesehen, der in seinen1 Stübchen sitzt und durch 
die Butzenscheiben sehnsüchtig in die lachende Welt hin: 
ausblickt. 
Warum sind die Menschen, die ihm zu Bildnissen saßen, 
alle so blaß2 Warum halten sie den Rosenkranz, das Gebet: 
buch und falten so dankbar die Hände2 Warum dehnt hinter 
ihnen, in mildem Licht gebadet, so feierlich sonntäglich die 
Welt Ich aus2 So grün und frühlingsfrisch, als ob der 
Glanz erster Schöpfungstage auf ihr ruhe2 Leute scheinen 
sie, die zum erstenmal wieder aus der dumpfen Luft der 
Krankenstube in Gottes freie Natur hinaustreten, so wie die 
alten Männer des Johanneshospitals mit dankbarem Glück 
empfinden, daß die Sonne wieder, die liebe Sonne sie be: 
bescheint. Und all die Blumen, all die Bücher, die er in 
seinen Madounenbildern aufhäust2 Behandelt er Maria nicht 
wie ein krankes Kind, dem man Bilderbücher bringt, Flieder 
und Lilien2 Sie End so rührend bei Memling, wie von 
einem kranken Kinde gepflegt, diese Blumentöpfe, die er zu 
Füßen Marias stellt. Sie haben Krankenstubenstimmung, 
diese Bilderbücher,.in denen seine blassen Mädchen so zerstreut 
blättern. Und diese Fenster, die so fest verschlossen sind, daß 
kein kaltes Lüftchen hereindringt2 Das zauberhaft liebliche 
Stück Welt, in das man durch die kleinen Scheiben schaut2 
So empfindet niemand die Natur, der sie immer hat. Nur 
dem Kranken scheint sie so, wenn er am Fenster steht: so 
rührend schön, so heilig schön. Er sieht den Reitersmann 
auf. seinem Schimmel die einsame Landstraße daherko:nmen, 
beobachtet die Schnitter, die dort am Kornfeld arbeiten, den 
Fuhrmann, der einen Vorübergehenden nach dem Wege fragt,
        

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