Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3298610
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3299523
wie gebannt vom Allerheiligsten, stehen sie da, so wie wir 
stehen, wenn wir traumverloren in die goldene Nacht des 
Markusdomes blicken, uns hypnotisieren lassen durch den Blick 
der byzantinischen Heiligen, die hieratisch feierlich aus musis 
vischem Goldglanz herniederstarren. Oder wie wir blicken, 
wenn wir am Lido sitzen und über den träumerischen Spiegel 
der Lagunen schauen. Denn Byzantinismus und Lagunen, es 
ist im Grunde das Gleiche: ein ernstes, den menschlichen 
Geist mit Betäubung schlagendes Nirwana. Dieses Betäubt: 
sein von: Geistlichen ist wohl die eigentliche Stimmung 
belIinesker Bilder. 
Nie malt er Handlungen, nur Gefühle, nie die Bewegung, 
nur die Ruhe. Und diese Gefühle sogar sind so dumpf, so 
wenig in die Sphäre des Bewußtseins getreten, als seien 
seine Menschen durch Opium betäubt. Nie haben seine 
Heiligen die schmachtende Verzückung, den sentimentalen 
Augenaufschlag Peruginos, nie seine Mudonnen jenes über: 
irdische Sehnen, jene fchwärn1erische Hingabe, mit der sie bei 
den Umbrern sich zum Kinde beugen. Mit einer Gelassenheit, 
die an Gleichgültigkeit streift, hält Maria den Knaben im 
Arm: die Gottesträgerin, wie die Byzantiner sie malten. 
Oder die Frau aus dem Volke, die mit ihrem Kind an der 
Kirchthür sitzt, bediirfnislos, träumend, betäubt durch den 
Glanz der Sonne und die Schwüle des Mittags. Während 
Peruginos Mudonnen Hirtinnen sind, Schwestern der Ja: 
hanna von Orleans, liegt über denen Bellinis die weiche 
Schläfrigkeit und gleichgiiltige Jndolenz, das melancholisch 
müde Wesen orientalischen Geistes. Dort der innerliche, 
schwärcnerische Blick der Seherin, hier der unbestimmte, matte 
Glanz des Auges, das traumversunken über die Lagunen schaut. 
Die Landschaft steigert noch die träumerische Ruhe der
        

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