Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3298610
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3300278
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Die germanische Malerei des Reformationszeitalters. 
reichen Architektur spielen, wie auf venetianischen 
freundlich milde, ruhige Vorgänge froh ab. 
Bildern, 
Jn Ulm lenkte Martin Schaffner als erster in 
diese Bahn. Statt des salbungsvolIen Pastorentones, den 
Zeitblom, sein älterer Landsmann, anschlug, herrscht bei ihm 
weltliche Causerie. Nichts Herbes, Knorriges giebt es. Alles 
ist von flüssiger Eleganz. Reiches gotisches Laubwerk ver: 
bindet sich auf seinem Hauptwerk  den Orgelthüren des 
Reichsstiftes Wettenhausen, die heute in München hängen  
mit Amoretten und Delphinen, dem lustigen Formenvorrat 
der Renaissance. Baute Marmorsäulen mit goldenen Kapi: 
tälen erheben sich. In freiem Schwung fließen die Gewänder. 
Nicht in ihrem Bette, wie auf älteren deutschen Bildern, stirbt 
Maria. Jn einer feierlichen KirchenhalIe, im Kreise der 
Apostel sinkt sie hin. Denn Schaffner ist auch schon vom 
repräsentierenden Geist des Cinquecento berührt, der das 
häuslich Genrehafte der älteren Kunst als ordinär empfindet. 
Augsburg war das KleinsParis jener Jahre: nicht alt: 
fränkisch abgeschlossen wie Nürnberg, sondern von großstädti: 
schem Leben durchwogt. Noch heute, trotz der nivel1ierenden 
Zeit, bewahren beide Städte ihren Gegensatz. Jn Nürnberg 
gotische Dome, krausverzierte Sakramentshäuschen und winklige 
Enge. Hier breite Straßen, mächtige Renaissancepaläste, 
Brunnen mit Statuen. Der Augustusbrunnen namentlich 
ist das Wahrzeichen der Stadt, der stolze Hinweis auf den 
römischen Ursprung der Augusta Vindelicorum. Und nicht 
nur als römische Kolonie fühlte sich Augsburg. Auch durch 
seine Handelsbeziehungen zu Venedig war es bestimmt, eine 
italienische Enklave auf deutschen: Boden zu sein. Venedig 
war die hohe Schule der Augsburger Kaufleute. Dort im
        

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