Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3298610
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3300052
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Die germanische Malerei des Reformationszeitalters. 
Härchen, jedes Fältchen und jede Ader wird mit Urkunden: 
mäßiger Treue fixiert. Während in Holbei11s Zeichnu11gen 
die leichten Federstriche wie Pinselzüge hingcseSt sind, malt 
Dürer, als mache er Federzüge mit dem Pinsel. Während 
Holbein in großen, sicheren Zügen das Lebensvolle der Er: 
scheinung packt, kommt Dürer nicht über mühfames Kläubeln 
hinaus, sucht durch Addieren kleiner Einzelziffern die Summe 
von Charakter festzustellen, die in einem Kopfe liegt. Aber 
was ihm an Leichtigkeit der Mache fehlt, erseht er durch 
psychische Größe. In seinem eigenen Kopf war mehr als 
in dem des forschen, brutalen Holbein enthalten. Darum 
wirken Holbeins Bildnisse bei aller Geschicklichkeit der Mache 
doch wie Photographien neben den geistglühenden Charakter: 
köpfen Dürers. Dort der kalte Analhtiker, der das Aeußere 
des Menschen mit der unfehlbaren Sicherheit der 0amera 
obsoura spiegelt. Hier der Grübler und Denker, der denen, 
die ihm zu Bildnissen sitzen, etwas von seiner eigenen Fausts 
natur leiht. 
Teils psychologische, teils formale Probleme haben ihn 
bei seinen religiösen Bildern beherrscht, und daß er überhaupt 
von solchen Problemen ausging, hebt ihn schon aus seiner 
Umgebung heraus. Alle, die vor ihm in Deutschland thätig 
waren, fühlten sich als Handwerker, erledigten Bestellungen 
so gut es ging, schlecht und recht, ohne höheren Ehrgeiz. 
Dürer als erster hebt die Kunst über den Handwerksbetrieb 
empor und fühlt sich als Künstler, schafft nicht, weil man 
ihm Aufträge giebt, sondern weil eine Kraft in ihm nach 
Ausdruck drängt, steckt mit ganzerVSeele in seinen Werken, 
hat das Gefühl für, die Ewigkeit zu arbeiten. Italien hatte
        

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