Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3298610
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3299999
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Die germanische Malerei des Rcformationszeitalters. 
Jtaliener ebensosehr, wie sie selten ist innerhalb der deutschen 
Kunst jener Jahre. Diese fchlanken Jünglinge mit dem 
elastischen und doch weich wollüstigen Körper, die schüchterne 
Zartheit seiner Jungfrauen, die iippigen Locken, die in weichen 
Ringeln das Antlitz umrahmen, die träumerischen, in weicher 
Sinnlichkeit glänzenden Augen, der Ausdruck holder Süßig: 
keit, der die Gesichter verklärt  nur in den Zeichnungen 
Leonardos findet sich ähnliches. Auch in den Bildern, die 
neuerdings von ihm bekannt wurden, erkennt man ihn an der 
koketten Tracht, den anmutigen Typen, der Vorliebe für 
Kränze und Blumen. Namentlich das Gothaer Porträt eines 
Liebespaares ist wohl das schönste aller altdeutschen Bildnisse. 
Dieser feine modische Jüngling mit dem langen blondlockigen 
Haar, auf dem ein Kranz wilder Rosen ruht, dieses ver: 
schämte Mädchen mit der Rose in der Hand, das so traums 
verloren dem schmachtenden Flüstern des Geliebten lauscht I 
das ist bis in die Bewegung der Finger graziös in modernem 
Sinne. Ein Strahl der Frauenseligkeit Walters von der 
Vogelweide, doch ein Strahl auch von der Sonne des Südens 
ist auf das entzückende Werk gefallen. 
Dürer. 
In Süddeutschland blieb Nürnberg der Mittelpunkt des 
Schaffens, und wie vor hundert Jahren Wackenroder und 
Tieck werden auch wir noch seltsam ergriffen, wenn wir die 
alte Pegnitzstadt betreten. Die alten Kirchen, die holperigen 
Gassen, die ernsten Patrizierhäuser bevölkern sich noch immer 
in der Phantasie mit malerischen Gestalten in Barett und 
Schaube aus jener großen Zeit, da Nürnberg ,,die lebendig 
wimmelnde Schule der vaterländischen Kunst warst, da ein 
,,überfließender KunstgeistU in seinen Mauern waltete, da
        

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