Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3296850
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3298022
Piero 
della 
Francesca. 
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der Wahrmalerei aufgeworfen, als Vorläufer der Modernsten 
festzustellen gesucht, in welcher Weise die Atmosphäre den 
farbigen Eindruck der Dinge verändert. 
Die Verhältnisse lagen damals ähnlich wie in unseren 
Tagen. Die Eycks und Pisanello hatten die Dinge in 
scharfen Umrifsen, in bunten glitzernden Farben gemalt. Es 
kam zum Bewußtsein, daß ein Widerstreit bestand zwischen diesen 
lustigen Palettentönen und dem, was das Auge sieht. Die 
Dinge funkeln in Wirklichkeit nicht so, wie Jan auf dem Genter 
Altarwerk sie malte. Noch ein anderes Problem kam hinzu. 
Die Früheren, deren Auge an den Einzelheiten haftete, waren 
nicht. fähig, weitere Fernblicke zu geben. Ihre perfpektivifchen 
Kenntnisse erlaubten ihnen nur, durch Berge und Kulisfen das 
Zurüikgehen der Pläne anzudeuten. Den weiten Himmel zu 
malen, der über einer Ebene liegt, waren sie nicht imstande. 
Darum vermeiden sie ihn womöglich ganz. 
Bis zu Zweidrittel der Bildfläche, fast vertikal steigt die 
Landfchaft empor, oft wird überhaupt nur das aufsteigende 
Plateau ohne den Himmel gegeben. Das Bild ist Flächen: 
darstellung, vermag den Eindruck der Tiefenditnenfion nicht 
hervorzurufen. 
Piero war zur Inangriffnahme dieser Probleme durch 
feine Herkunft berufen. Das Stäbchen Borgo Sau Sepolcro, 
wo er 1420 geboren ward, liegt mitten in der umbrischen 
Ebene. Während die Künstler, die in der dichtbelebten, 
dichtbebauten Großstadt arbeiten, gewohnt find, mit scharfem 
Auge die Dinge aus der Nähe zu betrachten, fah Piero, 
wenn er auf dem Berg seines Heimatstädtchens stand, nur 
Licht und Raum. Er fah die Sonne, wie sie brütend über 
dem Thale stand und die Dinge bald in Morgenglanz, bald 
in zitterndes Mittagslicht oder weiche Dämmerung tauchte.
        

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