Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3296850
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3297858
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Antike. 
Natur und 
der MedailIeurkunst. Die Bildnisse Jan van Eycks untere 
scheiden. sich also von denen Pisanellos dadurch, daß sie die 
Köpfe nicht in Profil, sondern in Dreiviertelansicht gebens 
Während der Jtaliener die charakteristische Linie zeichnet, malt 
der Niederländer die farbige Fläche. Beiden gemein aber ist 
das Streben, die menschliche Physiognomie mit der unerbitts 
lichen Strenge, der unbegrenzten Genauigkeit des photo: 
graphischen Apparates wiederzugeben. Wie die Landschafter, 
nachdem sie vorher nur Goldgründe hatten geben dürfen, nun 
jeden Kieselstein und jedes Blättchen, jeden Tautropfen und 
jeden Grashalm zeichneten, so schweigen die Porträtmaler, 
nachdem man vorher nur allgemeine Typen gekannt, nun mit 
wahrer WolIlust im krausen Detail, in Runzeln und Schwielen, 
in Bartstoppeln und Falten. Selbst bei der Wahl ihrer 
Modelle verfahren sie nach diesem Geßchtspunkt. Denn keine 
Köpfe junger Mädchen kommen vor, selten Jünglingsbilder. 
Hauptsächlich Greifen: und Matronenköpfe mit alter schrumpf: 
licher Haut sind Aufgaben nach dem Herzen dieser realistischen 
Kunst. Der knorrige Alte der Berliner Galerie, der mit 
kon1ischem Ernst eine Nclke hält is die moderne Blume, die 
gerade damals nach Europa gebracht war und ähnliches Aufs 
sehen machte wie in unseren Tagen die Orchidee,Es kommt 
sofort in Erinnerung. Auch an den abenterJrlichen Kopf des 
Arnolfini denkt man und an das Verlobungsbild desselben 
Kaufherrn, das mit feinem reichen sittenbildlichen Apparat 
schon die Keime der späteren Genremalerei in sich birgt. 
Auf diesem Wege ging die Entwicklung weiter. Eine 
Malerei, die einmal die Poesie des Jrdifchen entdeckt hatte, 
konnte auch nicht auf dein Boden stehen bleiben, den Jan 
van Eyck und PisanelIo ihr bereitet. Die zierliche tändelnde 
Kleinkunst dieser beiden mußte in eine ernste Malerei sich
        

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