Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3296850
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3297421
Begründung 
Die 
ePifchen 
des 
durTh 
Stils 
Giotto. 
25 
Architektur, der Gewänder und des Fleisches weder erreicht 
noch versucht.   
Doch man darf, um die Bedeutung eines Künstlers fest: 
zustellen, ihn nie mit Späterem, nur mit Früherem vergleichen. 
Da imponiert schon die Erweiterung des Stoffgebietes, die 
sich durch Giotto vollzog. Die byzantinische Kunst hatte 
nur die regelhafte, für Ewigkeiten festge1uauerte Ruhe des 
Göttlichen dargestellt, es in hieratifcher Starrheit, über Zeit 
und Raum erhaben vor Augen geführt. Bewegte Scenen 
darzustellen, war nur nebenher und schüchtern versucht. Giotto 
als erster giebt der Kunst die Wendung zur Aktion, schildert 
nicht Ruhiges, sondern Bewegtes, nicht Zeitloses, sondern 
Geschehen. Indem er an die Stelle der repräsentierenden 
Andachtsbilder ganze Epen, ganze Dramen setzte, wurde er 
der erste Historiker der christlichen Kunst. 
Und hält man fest daran, immer nur an Früheres, 
nicht an Späteres zu denken, wird auch sofort erftchtlich, 
welche Summe technischer Ausdrucksmittel Giotto erst schaffen 
mußte, um diesen neuen Stil zu begründen. Die Figuren 
sind nicht naturalistisch durchgebildet, aber er als erster weiß 
menschliche Gestalten in voller Bewegung darzuftellen. Die 
Tiere sind nicht gut gezeichnet, aber er als erster öffnet 
seine Fresken den Vertretern des Tierreichs, von den Viers 
füßlern bis zu den Vögeln, die der Predigt des Franziskus 
lauschen. Seine Landschaften sind noch symbolisch, trotzdem 
war es ein jäher Ruck, mit dem er die Gestalten aus der 
byzantinischen Raumloftgkeit in eine bestimmte örtliche Ums 
gebung setzte, He auf der Erde in der freien Natur, auf den 
Straßen nnd Plätzen der Städte zu neuem, lebensvol1en 
Wirken vereinte.  s s 
Schließlich erklärt sich vieles, was gegen die Natur:
        

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