Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3296850
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3298141
Wetterleuchten. 
97 
politische Ereignisse zu schildern. Namentlich das Bild des 
März  spinnende Frauen in einer Landschaft  ist als 
erstes Arbeiterbild der Kunstgeschichte wichtig. Von de1ns 
selben Francesco Eos s a stammt der ,,Herbsttt der Berg 
liner Galerie, der den Namen des Meisters zu einem der 
bekanntesten des Quattrocento machte: jene Bäuerin in auf: 
geschürztem Kleid, die mit Spaten und Hacke, einen Zweig 
reifer Trauben über der Schulter, ein stolzes Bild der Arbeit, 
einsam wie eine mächtige Statue aus dem Felde steht, den 
Blick nach dem Heimatdorfe wendend. Der ,,Erdgerucht des 
Piero della Francesca scheint aus dem Werk zu strömen. 
Nur ist nicht zu vergessen, daß noch viel engere Beziehungen 
zum Mittelalter vorliegen. Während die Florentiner weltlich 
erzählen, greifen die Ferraresen auf die mittelalterliche Alle: 
gorie zurück. Denn der Herbst ist eines jener ,,Monatsbildertt, 
wie sie in den n1ittelalterlichen Kalendern vorkommen. Die 
Schifanojafresken behandeln das mittelalterliche Thema, daß 
der Sternenlauf das Geschick der Menschen bestimme. 
Außer diesen Allegorien kommen lediglich Werke vor, 
die mit asketischem Ernst und fast grimassierendem Pathos 
das Thema der Beklagung Christi oder der thronenden 
Himmelskönigin behandeln. Magere, alte, häßliche Gestalten, 
knochige Greise und vergrämte Matronen beherrschen fast 
ausschließlich das Repertoire der serrareAschen Kunst. Keine 
andere italienische Schule steht dem Naturalismus Rogers 
so nahe, keine andere hat sich dermassen an grausam schroffen 
Linien, an schwieligen Händen und abgezehrten, wie von 
Fieber durchschüttelten Körpern gefreut. Gerade dieser Eins 
seitigkeit danken die Werke ihre machti und charaktervolle 
Größe. Selbst die Farbe, dieses schroffe Nebeneinander von 
M u t h e r, Geschichte ver Malerei.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.