Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Thorvaldsen's Leben nach den eigenhändigen Aufzeichnungen, nachgelassenen Papieren und dem Briefwechsel des Künstlers
Person:
Thiele, Just Mathias Helms, Henrik
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3293943
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3295142
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Lottospiel. 
Liebe zum 
Thorvaldsens 
war es ihm alsdann ein großer Genuß, vom Kreisel nnd Hüpfauf 
und von dem häßlichen Entlein erzählen zu hören. 
Wenn der Abend herankau1, und die Lichter angezündet wurden, 
gehörte es zum täglichen Brote des Künstlers, Lotto zu spielen. Er 
konnte ganz verdrießlich werden, wenn irgend ei1i Hinderniß austanchte; 
und die Gesellschaft mußte sich dehsalb in der Regel dareinfügen, 
einige Stunden bei diesem, Allen nur Thorvaldfen nicht langweiligen, 
Vergnügen zuzubringen. Wenn er aber endlich feinen alten PMB 
eiugenon1men, sieh seine Anzahl von Lottotafeln ausgesucht, und seine 
Knpferfchillinge, welche er gewonnen, auf dem Tisch vor sich liegen 
hatte, dann wurde das Spiel ihm nicht länger eine Kurzweil, sondern 
eine Leidenschaft, nnd ungeachteiGewinn und Verlust nur geriugfügig 
blieben, fand er sich sehr schwer in die Latinen des Glücks, wenn diese 
ihm misgünstig waren. Die .KupferfchilIinge, welche er gewonnen, 
brachte er seinem Diener Willens, der sie aufheben sollte, damit er ein 
anderes Mal genügend damit versehen sein möchte; und nach seinem 
Tode fand man einen großen grünfeidenen Beutel mit einer Menge 
dieser rohen Münze gespickt, die er in dem Lotto gewonnen hatte. 
Im Verlauf solcher Tage aufNysö füllte Ach allmälig der Garten: 
pavillon, der sein Atelier bildete, mit einer Anzahl größerer und klei: 
nerer Arbeiten. 
Dieses kleine Gebäude im Garten zu Nysö liegt hinter einer 
Banmgrnppe auf einer Grassläche, die von einem kleinen Gewässer, 
welches den Herrensih umflnthet, bespült wird. In diesem Gewäfser 
schwammen immer einige Schwiine, nnd da Thorvaldsen sich stets in 
nngewöhnlichem Grade für alles Lebende intereHirte, so eutgi1igendiese 
edlen Thiere natürlicherweise nicht seinem .Künstlerblicke. Dieselben mit 
Brotzu füttern, nnd ße auf die Grasfläche hinauf zu locken, gehörte zu 
seinen täglichen Beschäftigungen, und es währte nicht lange, so wurden 
sie auch Gegenstände seines Studiums und feiner Kunst. 
Die erste Arbeit, in welcher ßch dieses bemerklich machte, war ein 
rundes Basrelief : Am or auf dem S eh w a n e, n11d es war nament: 
lich die eigenihümliche Art und Weise, in welcher der Schwan vom 
Lande aus sich ins Wasser begiebt, die ihn hier gefeFelt zu haben
        

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