Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Thorvaldsen's Leben nach den eigenhändigen Aufzeichnungen, nachgelassenen Papieren und dem Briefwechsel des Künstlers
Person:
Thiele, Just Mathias Helms, Henrik
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3290102
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3293263
286 Ein Auftrag vom Banquier Mhlins für eine Grabcavelle. 
April 1833 an Herrn v. Koll in Rom anlangte, der diese Angele- 
genheit Thorvaldsen wiederum ins Gedächtniß rief. Der trauernde 
Vater hatte später einen so wohlthuendeu Trost in einer Abhaudlnng 
von H erd er über die Nemescs gefunden, daß er nun vor allen Din- 
gen eine Darstellung dieser Jdee von der -Hand unsers Künstlers 
wünschte. ,,Ju meinem Kopfe"- schrieb er  ,,kam mir dabei so 
etwas aus der griechischen Mythologie von der Nemens Adrostea nach 
unsers -Herder"s Anüchten und Vorträgen, als  gerechteste, lang 
nachüchtige, schnell ereilende Leukcrin aller menschlichen Schicksale"" 
in den Sinn.  
Da Thorvaldsen sogleich aus diese Jdee einging, empfing er am 
25. Juli in einem Schreiben einige Auszüge aus den Gedichten und 
Abhandlungen Herd er"s, damit die Jdee des tiefen Denkers so weit 
wie irgend möglich seine Kunst befrnchte , und in dem Brief, mit wel- 
chem Mylius ihm diese Fragmente sendete, schrieb er noch unter 
Anderm: ,,Sie werden daraus ersehen, daß es kein Bild der Rache- 
oder Plage-Göttin, oder der furchtbare A1he ist, das ich gerne mir 
selbst vor Augen stellte, oder durch eine HiuterlaH"ung, von welcher an 
meine Nachkommen ich die Jdee bei ihnen anregen möchte, als hätten 
solche Vorstellungen mich gepeiniget, sondern: 
Die Göttin des Maaßes und Einhaltens, 
Die Zäh1nerin der Begierdeu- 
Die misbil1igende Göttin des ilebermuthes, 
Die unbesiocl)ene Richterin der Tugend und Wahrheit, 
deren strenge zwar, doch liebliche Züge mit Warnung, auch Belehrung 
an die Sterblichen zu verbinden, und dem Nachdenkenden über des 
Lebens und der Menschen Schicksale Aufschlüsse über solche zu geben 
und Beruhigung und Trost dabei einznflößen weiß. 
Diese Göttin ist denn gewiß auch Ihrem Sinn verwandt und 
möchten Sie denn meine Bitte freundlich aufnehmen , und mich durch 
eine Zusage recht baldiger Gewährung erfreuen." 
,,Jch wiederhole," heißt es am Schlusse des Schreibens, ,,daß ich 
Ihnen ganz die Art der Ausführung überlasse. Wollen Sie es bei 
einer einzigen Figur bewenden lassen, oder durch irgend eine Hinzu-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.