Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Spemanns goldenes Buch der Kunst
Person:
Spemann, Wilhelm Becker, Felix
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3263589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3264131
s.sccvs 3. 
Professor Zuim1ue. 
getreu Hauskneihtes abzuschreiben, 
und er hatte sein ,,keiue Ruh bei 
Tag und NachtU. CMir istis auch; 
immer so vorgekommen, als hätte 
Mendelssohn sein Motiv zu ,,Seid 
uns gnädig, hohe GötterH dem 
.Hahnenschrei entuo1nmenJ. Weni: 
ger in die Augen fallend, aber nicht 
minder wesentlich ist die Umwand: 
lang, welche die einfachen Natur: 
eindrücke bei ihrer Benutzung durch 
den Maler zum Zweck des Kunst: 
werks  oft unbewußt  er: 
fahren. 
 Ergiinznugsfiihigkcit des 
Auges. Dagegen ist die Fähigkeit 
in der Kopie das Original zu er: 
kennen und Fehlendes zu ergänzen 
dem Sehenden natürlicher, als dem 
Hörenden. Eine ganz rohe, un: 
vollkommene Zeichnung, die von 
der Wiedergabe der Erscheinung 
ganz Abstand nimmt und für 
Form und Farbe nur wenige Striche 
giebt, wird gleich als das erkannt, 
was es sein soll; seine ebenso un: 
vollkommene Nachahmung auf dem 
Felde der Gehörwelt noch lange 
nicht. 
4. Kiiustleriskhe Erziehungs: 
wege. So verschieden, als die 
Anlagen in Bezug auf Hören und 
Sehen sind, so verschieden wird 
auch die Erziehung für die Musik, 
für die bildende Kunst sein müssen. 
Uebrigens meine ich in dem Folgen: 
den nicht etwa die Erziehung zum 
Künstler, oder gar zum Dilettanten, 
sondern die Erziehung, die not: 
wendig ist, um den Menschen har: 
monisch auszugestalten, wie sie im 
allgemeinen Schuluuterricht in Be: 
tracht kommen würde, analog dem 
Turnen in Bezug auf körperliche 
Entwicklung.  
5. Prinzip des Musikunter: 
richts. Wie die Musik, nur.inso: 
fern sie Ausdruck seelischer Empfin: 
dung ist, als wertvoll angesehen 
wird, nicht als Jmitation von Natur: 
lauten, so sollte man in der bilden: 
den Kunst auch keinen allzu großen 
Wert auf die Nachahmung als solche 
legen. Ja der Musik strebt die 
Erziehung teils in der Schule, teils 
beim ergänzenden Privatuuterricht 
danach den Kindern beizubringen, 
wie man geschriebene Musik dem 
Gehör wahrnehmbar macht Canalog 
dem Vorleseu eines gedruckten Bu: 
chesJ und das Gehörte versteht nnd 
begreift. Man lehrt sie ein Jn: 
strument mehr oder weniger be: 
herrschen, weil nur ans diesem 
Wege die Musiklitteratnr zugänglich 
gemacht wird. Wie die Litteratnr 
nur für den existiert, der da lesen 
kann, so bleibt dem, der die Noten 
nicht kennt, ein großes Feld des 
geistigen Volksbesilzes verschlossen. 
Ein anderes Ziel als dieses cnäm: 
lich Bildwerke lesen zu lehrenJ 
sollte sich die Erziehung der 
Schule in Bezug auf die bil: 
deuden Künste auch nicht stecken: 
sie sollte nur den Zweck haben, das 
Verständnis für diese zu er: 
schließen. Einer Vermittlung durch 
Reproduktion bedarf es in dieser 
Kunst nicht, also ist die Anleitung 
zur Reproduktion für den Schüler 
vollständig überflüssig. 
6. Prinzip des Zeichennnter: 
richts. Der heutige Zeichenunter: 
richt liegt eben auf einem ganz 
anderen Schachbrett, als der heutige 
Musikunterricht: Jn dem einen Fall 
handelt es sich um Erfassen und 
Verarbeiten anerkannterKunstwerke, 
im andern Fall um das Nach: 
machen meist ganz wertloser Vor: 
lagen. Der Musiknnterricht hat 
unter normalen Verhältnissen das 
Resultat, daß man  wenn man 
auch sein Jnstrument nicht vorzüg: 
lich spielen lernt, sich doch daran 
gewöhnt, denHarmoniengängen, der 
Stimmenführung mit mehr oder 
weniger Verständnis zu folgen. 
Die Zeichenstnnde  sofern sie sich
        

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