Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der Naturvölker und der Vorzeit
Person:
Sydow, Eckart von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3252668
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3253747
Es ist der Anbeginn dieser Entwicklung, den wir jetzt umschreiben. Er 
liegt inmitten der Eiszeit, in jener Erdperiode, die unserem heutigen, im 
allgemeinen gültigen Zustand der atmosphärischen usw. Verhältnisse vor- 
aufging. Die Dauer dieser Eiszeit wird zumeist auf etwa eine halbe Million 
Jahre berechnet. In dem letzten Teil dieser riesigen Zeitspanne: in der älteren 
Steinzeit, beginnt auch die Kunstgeschichte Europas. Die genaueren Daten 
anzugeben, ist hier ebenso unmöglich wie bei den späteren Epochen: der 
jüngeren Steinzeit, der Bronze- und Eisen-Zeit, die nun schon greifbarer in 
der Nähe unserer bekannten Frühgeschichte stehen. 
Der Ursprung der europäischen Kultur liegt im südlichen Westen 
unseres Erdteils. Diese Erkenntnis hat sich erst in den letzten Jahrzehnten 
aufgetan. Erfüllt von dem sagenhaften Nimbus ägyptischer und asiatischer 
Größe, gewöhnte man sich erst in den letzten Jahren daran, die Wurzeln 
europäischer Kraft nun wirklich auch in Europa zu suchen und zu finden, 
nachdem man sie zuerst in entlegeneren Gebieten erforschen wollte. Diese 
Umstellung grundsätzlicher Art ist freilich auch heute noch erst in den An- 
fängen ihrer Auswirkung. Der Kampf der Meinungen, der in der späteren 
Kunstgeschichte die Bedeutung des Orients für die frühchristliche Kunst- 
übung der Mittelmeergebiete umtobt, verwirrt in fast gleicher Stärke den 
Blick, soweit das Arbeitsfeld der Vor- und Frühgeschichte reicht. Es handelt 
sich nun freilich nicht so sehr um den allerersten Beginn der europäischen 
Kultur und Technik, sondern um einen späteren Zeitpunkt kritischer Art; um 
diejenige Weltepoche, die mit der jüngeren Steinzeit anhebt und durch die 
Bronze- und Eisenzeit vermittelt in das geschichtlich erforschbare Geschehen 
überleitet. Zwischen beiden Riesenepochen: der alten und der jüngeren 
Steinzeit samt ihren Folgewirkungen, scheint ein unüberbrückbarer Ab- 
grund zu klaffen, so daß die Quelle der später immer regsamer werdenden 
Lebensimpulse in der zweiten Epoche wieder mit einigem Rechte im Orient 
gesucht werden konnte: in Asien und Ägypten. Die Ergebnisse der bis- 
herigen Forschung scheinen nun das umgekehrte Resultat zu zeitigen wie 
in der frühchristlichen Problematik. Der älteren, der Hochschätzung orien- 
talischer Einwirkungen zuneigenden Auffassung M. Hoernes' gegenüber hat 
neuerdings C. Schuchhardt die neuere Einsicht in die Bodenständigkeit der 
europäischen Art begründet und von ihrem frühzeitigen Expansionstrieb 
her die Grundlinien der Entwicklung folgerichtig und großartig gezogen. 
Man kann diese heute wahrscheinlich richtigere Meinung summarisch kurz 
dahin zusammenfassen, daß der Gang der Entwicklung sich als ein Erobe- 
rungszug vom Westen zum Osten hin über die ganze Breite des Mittel- 
meeres vollzog und in starkem Maße den europäischen Norden beeinflußte. 
Allerdings lag auch hier ein zukunftsreiches Zentrum, das seinerseits aus- 
strahlte. Erkennbar wird die Ausbreitung dieser nordischen Kultur aus den 
Funden der Keramik, die nach Mitteldeutschland, dann nach Polen, weiterhin 
bis zum Balkan vordringt und bis nach Rumänien, Bulgarien, Thessalien
        

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