Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude: Gebäude für Erholungs-, Beherbergungs- und Vereinszwecke: Baulichkeiten für Kur- und Badeorte, Gebäude für Gesellschaften und Vereine, Baulichkeiten für den Sport, Panoramen, Musikzelte, Aussichtstürme, Bellevuen und Belvedere
Person:
Lieblein, Jakob Mylius, Jonas Reinhardt, Robert/von Reinhardt, Eduard Schmitt Wagner, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3238777
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3241012
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gründete eine Volksbibliothek, eine Anilalt zur Ausbildung von Kindermädchen; fre machte Stiftungen für 
warme Bäder; lie errichtete eine Ferienkolonie für arme kränkliche Schulkinder u. a. m.  
Die Gefellfcbaft befchränkte aber ihre Mittel nicht auf diefe mehr wohltätigen Zwecke; fie unter- 
{tützte gemeinnützige Unternehmungen, gewährte einzelnen talentvollen Gewerbetreibenden oder Künftlern 
namhafte Beiträge für ihre Ausbildung etc. 
Einen Einblick in die Tätigkeit der Gefellfchaft, deren gemeinnützige Beftrebungen der Stadt und 
dem Lande zur Ehre gereichen, erhält man durch die in Fig. 139 bis 141 abgebildeten Grundriffe des 
neuen Ilaufes, das die Stelle des feit 1793 im Beiitze der Gefellfchaft befindlichen Haufes in der Schuh- 
macherflrafse einnimmt. 
Das Haus enthält, aufser den Räumen für die Spar- und Leihkaffe, noch eine Anzahl gröfserer und 
kleinerer Räume, und zwar: m) für die Sitzungen der Kornmiffronen;  für die Verfammlungen der Gefell- 
fchaft und des Frauenvereins; 7) einen kleinen Verkaufsladen für die Arbeiten des Frauenvereins, eine 
NVohnung für die Verkäuferin, eine folche für den Kaffendiener, endlich einen Saal für Vorträge und 
kleinere, mit dem Zwecke der Gefellfchaft in Zufammenhang fieliende Austtellungen. Die Verfchiedenheit 
und Selbftändigkeit der Benutzung diefer Räume liefsen ihre Trennung und Verteilung in einzelne Stock- 
werke nicht allein zu, fondern machten fie geradezu wünfchenswert. 
Die Sparkaffe an der freien und fonnigen Hoffeite hat feuerfefle Kaffengewölbe, welche der be- 
fchränkten Gröfse halber durch eine Unterteilung des Erdgefchoffes in zwei Stockwerke geteilt find, von 
denen das obere durch eine Vorfetztreppe zugänglich ift. Im Kellergefchofs find Archiv, Keller und Aborte 
angelegt. Die Wohnung der Verkäuferin des Frauenvereines liegt über der Wohnung des Kaffendieners 
und reicht in den Knieftock des Dachwerkes hinein. 
Die Faffade, in Ziegelrohbau mit Verwendung von Terrakotten ausgeführt, ift von guter Wirkung. 
Die Gefamtkotten des eigentlichen Baues betragen, bei 265mm überbauter Fläche, 108309 Mark oder 
465 Mark für das Quadn-Meter. welcher hohe Preis {ich durch die koflfpielige Gründung der hinteren 
Hälfte des Haufes auf Pfeilern, fowie durch die hohen Ziegelpreife zur Zeit der Ausführung erklärt. 
Das im vorhergehenden betrachtete Gebäude, obgleich das einzige hier ab- 
gebildete Beifpiel von Häufern für Wohlfahrtsgefellfchaften, ilt keineswegs ein ver- 
einzeltes Vorbild in Deutfchland. Es mag u. a. auf das ausfchliefslich für die Auf- 
nahme von Lehrlingen beftimmte Iugendvereinshaus in Stuttgart, das 187 5 von 
Wittmann 5' Stall! erbaut und am 30. Januar 1876 eingeweiht wurde, hingewiefen 
werden. 
Das neue Haus enthält: a) die Lehrlingsherberge des Jugendvereins;  die Feierabendflube; 
T) die Speifeanitalt für junge Leute; 3) den Saal für den Gottesdienil: der Lehrlinge und für denjenigen 
der älteren Knaben; e) Unterrichtsräume für die Kleinkinderfchule, für eine Abteilung der freiwilligen 
religiöfen Kinderfonntagsfchule; C) Saal für den Jünglingsverein, jüngere Abteilung. und v1) Jugend- und 
Volksbibliothek. 
In den älteren Häufern des Iugendvereins find verblieben: a) die Herberge zur Heimat für zu- 
wandernde Gefellen;  der Handwerkerverein mit Kofl- und Logierhaus; 1) das Vereinsgaflhaus; Ü) eine 
Abteilung der Kinderfonntagsfcbule.  
Eine eigenartige Bauanlage zeigt das Vereinshaus für Volkswohl zu Leipzig, 
das 1888-89 von Roßbaclr erbaut wurde. 
Der Vereinsbefitz gliedert lieh in ein an der Löhritrafse gelegenes Gebäude, das im Erdgefchofs 
ein Reftaurant, im I. Obergefchofs Klaffenzimmer der abendlichen Lehrkurfe, im II. und III. Obergefchofs, 
fowie im Dachftock Mietwohnungen enthält, und in das im Hinterlande der Bauftelle errichtete Saal- 
gebäude, das im Erdgefchofs eine geräumige Turnhalle mit den nötigen Kleiderablagen, im Obergefchofs 
den Vereinsfaal mit volliländig eingerichteter Bühne, Ablageräuxne, Neben, Sitzungs- und Uebungszimmer 
umfafst. Der die beiden genannten Gebäude verbindende Flügelbau befteht aus dem Kellergefchofs, in 
welchem die Kegelbahn eingerichtet ift, und dem Erdgefchofs mit Küche und Zubehör, _von denen aus 
das Reliaurant des Vorderhaufes und die Säle des Hintergebäudes gleich leicht bedient werden können. 
Im Erdgefchofs des Vorderhaufes hat auch die Vereinsbibliothek Platz gefunden. 
Der Saalbau hat eine über-baute Fläche von 460,811!" und koftete 106 500 Mark, der Zwifchenflügel 
eine folche von Ößqm und erforderte 12000 Mark. Das Vorderhaus endlich bedeckt eine Fläche von 
28611111 und beanfpruchte 227000 Mark, der Gefamtbau fomit 345 500 Mark 175). 
173) Nach: Leipzig und feine Bauten. Leipzig 1892. S. 5m.
        

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