Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wiederkehr der Kunst
Person:
Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231019
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3232028
ebenso sehr wie der Apparat der Regierenden. Diese Schichten 
müssen erst abgetragen werden, ehe der Humus zutage tritt. 
Der Einwand, ob denn nicht immer ein einzelner Künstler als 
Schöpfer eines jeden Werkes sichtbar sei, ist hinfällig. Auch die 
Schreibfeder ist sichtbarer als der diktierende Geist. Der Künst- 
ler ist gewiß das Werkzeug, das mimittelbar die Zeichen ausführt, 
stets daher in direkter Nähe des Werkes sichtbar, der Inhalt aber, 
der Geist, steht dahinter. 
Denken wir nicht überhaupt bei allen diesen Fragen noch immer 
viel zu ausschließlich an das in sich geschlossene Bild, das im 
Museum oder in der Privatsammlung hängt Y Wer zweifelt daran, 
daß dieses in der Tat in fast allen Fällen aus einem eng be- 
grenzten Einzelwesen komme? Aber ist denn nicht das große 
namenlos wirkende Kunstwerk aller Ornamentik ein Beispiel 
größerer Kunst, das ohne das Kunstgefühl einer Masse überhaupt 
undenkbar wäre ? 
Wie leicht wirkt die heutige Künstlerpersönlichkeit gegenüber 
den uns leider nun fast ebenso wie Gott fremd gewordenen, mär- 
chenhatt-reichen Qualitäten der Masse! Die Masse ist heute der 
ausschließliche Born der Liebe und Güte. ln der Masse ist die 
Verachtung aller l-lerrschattsformen. Die Masse ist nicht deshalb 
einflußlos. gedrückt, arm und namenlos, weil sie das andere nicht 
kannl Diesen Standpunkt, alles nach dem "Können" zu beur- 
teilen, sollen wir uns in allen Dingen abgewöhnen. Die Masse 
will nicht anders seinl Sie verachtet die Herrschaftsformen zu 
sehr, um sie für sich begehren zu wollen. Sie hat Geduld, "unend- 
liche Geduld, mit der sie selbst die ungeheuerlichen Lasten des 
Krieges trug, um den Ungeschickten, die den Krieg wollten und 
ihn führten, aus Freundlichkeit selbst die Bürde abzunehmen. Und 
wenn es heute bei uns noch einigen Sinn gibt für Humor  wo 
anders finden wir ihn als bei der Masse? 
EIE Quintessenz des bisher Gesagten werden viele meiner 
Leser zusammenfassen in die Frage: "also die Kunst dem 
N0lke".? 
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