Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wiederkehr der Kunst
Person:
Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231019
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231804
tionen, keine neuen Menschen, weil es ja nur den schwachen, un- 
gütigen Naturen des herrschenden Typs Mensch die Fehler korri- 
giert, sie also eigentlich immer mehr zurück statt aufwärts zwingt. 
Nichts ist so kurzsichtig, wie eine Besserung der menschlichen 
Gesellschaft erzielen zu wollen, indem man die Irrtümer und Ver- 
gehen dieser Gesellschaft immer wieder einrenkt, nach Maß des 
Möglichen, was natürlich nicht sehr weit reicht,  aber ausreicht, 
um der Gesellschaft eine gründliche Erkenntnis ihrer Mängel 
zu erschweren. Ließe man wenigstens diese Fehler sich zunächst 
eirunal zu ihrer wahren Größe auswachsen, bis sie recht sichtbar 
und greifbar geworden wären, könnte eher auf einen menschlichen 
Umschwung gehofft werden. 
Die Frage ist: was für einen Umschwung wir denn erhoffen ? 
Kann man überhaupt auf einen "Fortschritt" rechnen  
In diesen Fragen sich vorsichtig zurückzuhalten, ist das Beste. 
Denn ein bestimmtes endliches Ziel des menschlichen Fortschrit- 
tes wird es nicht geben. Auch hier besteht Unendlichkeit. Aber 
man kann doch wohl behaupten, daß ein größerer Reichtum an 
Feinheit, Schönheit und Zartheit niemals vom Übel sein kann. Im 
Gegenteil! Daß wir diese Güter erstreben sollen, scheint uns 
außerhalb jeder Zweifelsmöglichkeit. 
Sie zu_ gewinnen, ist bestimmt kein anderes Mittel aussichts- 
voller, aber auch kein anderes genußvoller, als eben die Glas- 
architektur.  
Kein Material überwindet so sehr die Materie wie das Glas. 
Das Glas ist ein völlig neues, reines Material, in welchem die Ma- 
terie ein- und umgeschmolzen ist. Von allen Stoffen, die wir haben, 
wirkt es am elementarsten. Es spiegelt den Himmel und die Sonne, 
es ist wie lichtes Wasser und es hat einen Reichtum der Möglich- 
keiten an Farbe, Form, Charakter, der wirklich nicht zu erschöpfen 
ist und der keinen Menschen gleichgültig lassen kann. Alle anderen 
Stoffe wirken neben dem Glase abgeleitet und wie Reste, wirk- 
lich wie Menschenprodukte. Das Glas wirkt außermenschlich, als 
mehr denn menschlich. 
Daher hat der Europäer recht, wenn er fürchtet, die Glas- 
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