Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wiederkehr der Kunst
Person:
Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231019
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231765
Sterne gibt: die Vestabewohner wissen deswegen auch nicht, daß. 
sie in einem Raume leben, dessen Hauptmerkmal eine vollkommen. 
unverständliche Endlosigkeit ist l" 
Sieht der Europäer nachts einmal die Sterne, so geht es ihm 
wie dem Daumierschen Bürger beim Anblick des Mondes: esÄwird 
ihm etwas unheimlich. Sollten die Dinge doch weiter reichen als 
sie sollen? Sollte die Welt doch nicht so klein sein wie aus- 
gemessen Y Die Uhr in der Westentasche oder der Mond am Him- 
mel . . . wer regiert, wer geht richtig? Oder aber er ist ganz stumpf 
und läßt sich von den Sternen an einen billigen Film erinnern. 
Kein Wort ist dem Europäer unangenehmer als das Wort 
"Welt". Nur in Verbindungen wie Weltfirma, Weltmarke, Welt- 
handel, Weltverkehr ist es ihm gefällig, dort also, wo es falsch ist, 
wo es eine nahe enge Endlichkeit umschließt. Er hat es fast ver- 
gessen, daß die Welt unendlich ist. Jedenfalls läßt er sich an die 
Unendlichkeit nicht gern erinnern. Gibt es nämlich Unendlichkeit, 
so gibt es kein Maß. Ein Zustand aber: vor und hinter sich, über 
und unter sich Unendlichkeit und in den Händen keinerlei Maßk- 
stab, ist das Furchtbarste, was man dem Europäer zumuten kann. 
"Der Mensch ist das Maß aller Dinge"  auch dieser Euro- 
päismus wird ja den Griechen verdankt, und er ist ein Dogma für 
alle Kleinmütigen geblieben. Wer den Menschen für das Maß" 
aller Dinge hält, kennt weder die Welt, noch den Menschen. Kann 
doch der Mensch schon deshalb nicht das Maß aller Dinge sein, 
weil er selbst keine in sich geschlossene Einheit ist. Der Mensch 
ist selbst ein Weltsystem, ist selbst unendlich, hineingestellt in eine 
Folge immer größerer und umfassenderer Weltwesen. "Vielleicht 
ist all das Leben, das wir auf der Erdoberfläche wahrnehmen, nur 
ein Scheinleben, das ein anderes Leben, das unter jenem steckt, 
verdecken und vielleicht auch schützen soll. Vielleicht führen die 
Erdmänner schon ein ganz anderes Leben in ihrem Schlafe. Viel- 
leicht wissen sie noch gar nicht, daß sie ein Doppelleben führen. 
Vielleicht geht schon etwas anderes in ihnen vor, wenn sie das 
tun, was wir da unten sehen. Das Doppelleben der Erdmänner 
kann auch noch viel komplizierter sein. Was sie Traumleben 
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