Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wiederkehr der Kunst
Person:
Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231019
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231653
Präsident: "Sie könn'n doch nich verlangen..." 
Hollrieder: „Ich verlange, daß dieser Ausschnitt hier 
. . . in Ihrer Sezession nicht das beste Bild ist!" 
Präsident: „Det verlang'n Se man!  Det Kunst 
keene Natur is . . . wenn Se damit komm'n, uff die Art 
könn'n wir natürlich alle inpackenl . . . Da sind Sie der erste 
nich! . . . Man sollte wirklich jlooben, mancher Mensch 
hätte in seinem Leben noch keenen Fliederboom jesehnl" 
Hollrieder: "Würden Sie . . . Y" 
Präsident: "Wat ick würde, kommt hier nich in Frage! 
. . . Ich würde {mir so ine Motten erst jahnich in Kopp 
setz'n! . . . Det 'n jemalter Baum keen jewachsener ist  . 
mein Jottl" 
Hollrieder: „'Alles oder nichts!" 
was tut's, daß die Natur ihre Bilder erledigt ? Deshalb bleiben 
ihre Striche doch raffiniert gesetzt. Wenn man ihnen das ärmliche 
Bißchen scheinbaren Inhalts, das sie noch haben, vollends aus der 
Hand schlägt, so macht ihnen das gar nichts. Was geht denn die 
Natur sie an. . . diese Naturalist-en? Beweist ihnen, daß. ihre 
Spachtelarbeit weniger effektvoll ist, als die ihres Konkurrenten, 
dann könnt ihr sie knicken . . . anders nicht! 
Aus" der naturalistischen Sachlichkeit, die freilich gar keine 
wahre Sachlichkeit ist, weil Sachlichkeit zur Voraussetzung hat 
einen bestimmten Inhalt, ein bestimmtes Ziel, in bezug auf welches 
die Gegenstände gewertet und je nach der Reife der Erkenntnis 
und der Strenge der eigenen Zucht aufgenommen oder verworfen 
werden, aus der naturalistischen Sachlichkeit führt kein Weg zur 
Schönheit, als nur geleg-entlich einmal ein glücklicher Zufall, ähn- 
 lich wie auch in der Technik, weshalb ich es für richtiger halte, 
isolche Produkte, wenn sie schon gefallen, lieber für "hübsch", 
istatt für "schön" zu erklären.  
Die naturalistische Sachlichkeit, die in Wirklichkeit Trocken- 
heit ist, übernimmt die Dinge rein begrifflich und hat eben dadurch 
zum Mißkredit alles Gegenständlichen beigetragen. Denn das Be- 
griffliche ist selbstverständlich in aller Kunst verwerflich. 
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