Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wiederkehr der Kunst
Person:
Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231019
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231555
zeichnenderweise mehr historizistisch, als für die Zukunft be- 
deutungsvoll. 
Die Führung hat in der Architektur heute nicht der Architekt, 
sondern der Industrielle. Es sagt genug, daß das vergleichsweise 
noch immer interessanteste Kapitel der modernen Baukunst der 
Industriebau ist, und daß unter den industriellen Anlagen wiederum 
 jene die eindrucksvollsten ausmachen, an denen der Architekt mög- 
lichst garnichts entworfen und gezeichnet hat, die reinen, tech- 
nischen Nutzanlagen. Der heutige Architekt schafft eigentlich nur 
immer nutzlose konventionelle Attrappen vor ausschließlich oder 
1 vorwiegend technisch-konstruktiven Leistungen von oft verblüffend 
 packender Art. Es ist also durchaus nicht sehr verwunderlich, wenn 
hier und da behauptet wird, der wahre Künstler unserer Zeit sei 
der Ingenieur.  
Tatsächlich: wenn heute einmal alle Architekten ihre Mitarbeit 
einstellen würden, wäre deshalb nicht zu befürchten, daß. die ent- 
stehenden Neubauten häßlicher ausfallen würden. 
Man wird fragen, oh es denn anders sein könne, 0b man den 
Architekten einen Vorwurf daraus machen dürfe, wenn ihnen in- 
folge irgendwelcher Zeitverhältnisse, die wir hier nicht näher zu 
kritisieren brauchten, andere Aufgaben nicht gestellt werden. 
Nun, die Architektur hat es garnicht nötig, hinter den Auf- 
trägen atemlos und konkurrenzeifrig herzulaufen, mit einer An- 
strengung, daß freilich nachher für die eigentlichen Aufgaben nicht 
mehr allzuviel Kraft übrig bleibt. Wenn die Architektur nur immer 
hinter den Aufträgen herläuft, verzichtet sie natürlich auf eigene 
Führerschaft, und eine Idee kann sie dam selbstverständlich nicht 
vertreten. Und dann ist sie keine Kunst mehr, ob ihre einzelnen 
Leistungen vielleicht auch hier und da anständig und formal ge- 
diegen sein mögen. 
Die Vorstellung, daß die Architektur eine sogenannte Nutz- 
kunst sei, ist so fest eingedrungen in die Gehirne der Europäer, 
daß hier alle Welt konsterniert ist, wenn diese Auffassung be- 
stritten und die Behauptung gewagt wird, daß die Architektur eine 
freie, aus eigenen tiefen Quellen schöpfende, die Welt verherr- 
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