Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wiederkehr der Kunst
Person:
Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231019
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231437
SQ lebt also der Mensch amphibienhaft in zwei Welten, in der 
Welt des Geistes, der die Welt der Freiheit ist, und in der 
Welt der göttlichen Treue und Gebundenheit, die er im Erleben der 
Natur noch ahnt und aus welcher ihm Liebe und Schönheit wird? 
Wir wollen es genauer ausdrücken: die Sphäre des Menschen 
ist der Geist, die Welt der Freiheit. Frei ist der Mensch, weil er 
imstande ist, zu entscheiden, wie er sich zum Kosmos verhalten 
will. Geist und Kosmos . . . sie beide bilden zusammen die Totali- 
tät alles Existenten, die einheitliche Schöpfung Gottes. Ent- 
weder nun, der Geist will den Kosmos, seine Kräfte und Stoffe, 
beherrschen. lndem er das tut, schafft der Menschengeist die 
M ateri e. Denn Materie ist die vom Menschen beherrschte Greif- 
barkeit des Kosmos. In diesem Prozeß der Beherrschung der Welt 
wird der Geist selbst mehr und mehr materialistisch, im engeren 
Sinne Menschengeist. Denn je mehr er die Weltkräfte und -stoffe 
beherrscht, um so umfangreicher wird ja das Gebiet der Materie, 
in das in einem Zeitalter ausgesprochen technischer Neigung der 
Menschengeist völlig versinken kann.  
Oder aber der Geist verzichtet auf die Beherrschung der kos- 
mischen Kräfte, begnügt sich mit dem Notwendigsten, und statt 
die Greifbarkeit des Kosmos in menschliche Bahnen zu zwingen, 
wünscht er, den menschlichen Geist in die Kreise der Welt ein- 
schwingen zu lassen. Hierzu ist die erste Stufe die tiefe, innige, 
alles eigentlich Menschliche aufhebende Hingabe an den Kosmos, 
bis in einer beglückenden Einheit des Geistes mit dem Kosmos das 
Erleben Wirklichkeit wird, das wir Natur nennen. Je intensiver 
 der Geist dieses Naturerlebnis in sich aufnimmt, je mehr also das 
spezifisch Menschliche verstiunmt, um so mehr wird der Geist 
Weltengeist. 
J e mehr derggezifgt auf seine Freiheit pocht, die Lösung von der 
Welt erstrebt, um so ärmer wird er, bis er schließlich, immer frei, 
d.h. die Dinge trennend und lösend, und die Einheit aufhebend, 
in der von ihm aufgetürmten Welt der Materie als Sklave der 
Stofflichkeit versinkt. 
Und je mehr der Geist sich hinneigt zu der Welt der göttlichen 
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