Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wiederkehr der Kunst
Person:
Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231019
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3231402
men der Schatten hervorgerarmt erscheint, eilig und heftig wie ein 
Meer von rennenden Ameisen, und dann mit seinem riesenhaften 
feinen Netze den Boden und alle Formen neu bedeckt. Erlebt es. 
wie der Wipfel des Baumes, der stumm in sich beruhte, vom Wind- 
stoß aufgeweckt wird und ein seliges Sich-Wiegen aller Zweige 
kommt und geht, wie dabei die hohe Kiefer ihre schwere Krone 
nur ein paarmal hin und her bewegt und wieder ruht; wie das Licht 
allmählich um einen borkigen Stamm greift, dessen Borkenstücke 
im Lichte wie perlmuttene Fischschuppen oft-erschimmern; ach, 
nur wie ein rotbrauner Ast gegen einen blauen Himmel steht, so 
wenig tot, wie die gestreckten Beine einer nahen Spinne, die, Be- 
drohung witfernd, seit Stunden unbeweglich harrt. Nun, wenn sie 
die Beine doch endlich ändert. . . geht es nicht wie ein Schrecken 
durch mich ? Fühle ich nicht eine Welt in diesem kleinen, schwar- 
zen, dünngewandet-en Tiere? Welch eine Zeit vergeht  ich fühle 
es!  ehe aus dem Zentrum der Wille sich schläfrig bis in die 
unendlich fernen Fußendigungen sendet  und dann plötzlich, 
wie blitzschnell geraten nicht alle Beine in Bewegung, und ihre 
Bewegung greift staunenswert ineinander, trägt das Tier im Nu 
davon. . . Könnte so nicht auch der braune Ast dort vor dem 
blauen Himmel sich einmal langsam, langsam wenden, drehen, 
biegen, stemmen  oder tut er es vielleicht immer Y 
Und die Wand aus spitzen Nadeln, die ein Kieferbusch mir 
entgegenhält, ist si-e nicht von einer Weichheit, die das Innerste 
aufrühren kann? Welch inniger Glanz über ihren Büscheln. Ein 
einziges liebevolles Streicheln der Luft und des feinen Windes, 
der sie auf einmal wie ein tiefer Seufzer in die Höhe hebt. 
Und aus dem billionenhaft lebenden Boden heben sich gewaltige 
Stämme von Laubbäumen. Wie mächtige, sich bäumende Wellen 
schlagen sie aus der Erde heraus  aus dieser Erde, deren Leben 
aus Wurzeln und Käfern, Maden und Mäusen, Steinen und Wasser- 
fäden sich uns entzieht. Die Erde. die solche Wunderstämme trägt, 
wie herrlich muß sie im Innern sein. 
Stämme . . . ein unerschöpfliches Erlebnis. Stämme junger 
Buchen, von einem schlanken, straffen Adel. ln der mittleren Zeit 
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