Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3222465
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3225657
284  Fünftes Buch drittps Kapitel.   
 von aller Wirklichkeit absehende, insiMärchenhafte übersteigerte Farben- 
schönheit, und durch die Verbindung derselben mit einer wirklichkeits- 
agemäß behandelten Körper- und Raumform konnten nur Zerrbilder ent- 
stehen. Als sie im I6. Jahrhundert bei dieser Konsequenz anlangte, 
brach die ganze Gattung in sich zusammen. Das I5. verstand nocheden 
Konüikt in der Schwebe zu halten.  
Die Glasmalerei des 15. Jahrhunderts ist erst unvollständig erforscht. 
Offenbar haben bedeutende Talente in ihrem Dienst gestanden. Zwischen 
1470 und 1490 stand der Ulmer Hans Wild in höchstem Ansehen. Werke 
von ihm finden sich außer in Ulm (Münster und Rathaus) in Urach, 
Tübingen, Heilbronn (St. Kilian), Öhringen, Straßburg (die durch den 
Brand 1904 zugrunde gegangenen fünf Fenster der Magdalenenkirche), 
Zabern, Augsburg (Dom), München (Scharfzandtfenster der Frauen- 
kirche), Nürnberg (das gewaltige Volkamerfenster im Chor der Lorenz- 
kirche), Salzburg (St. Peter); allerlei Reste in "Museen zerstreut. So viel 
dies ist, es wird vielleicht nur der zehnte Teil des Wildschen Opus sein. 
Gelegentlich ist die Meinung laut geworden, die Glasmaler wären fahrende 
Leute gewesenrdie ihren Ofen aufstellten, wo sich ein Auftrag fand. Bei 
Wild wird dies allein schon durch die Datierungen widerlegt. Der techni- 
sche Prozeß forderte so viele Hilfsmittel, daß häufige Verlegungen der 
Werkstatt ganz ausgeschlossen sind. Abb. 4.19 gibt über seinen Stil hin- 
länglichen Aufschluß. In Zeichnung und Komposition ist er allen schwäbi- 
schen Malern vor Zeitblom überlegen. Mit der Ulmer Plastik hängt er 
eng zusammen. Stichevon Schongauer hat er wiederholt benutzt. Daß 
die Farbe bei ihm schon nicht mehr ihren eigenen Rhythmus besitzt, 
sondern in ihrer Auswahl und Verteilung den Bedingungen einer klaren 
Bildwirkung sich unterordnen muß, und daß die durch die Modellierung 
erforderten Schatten nicht mehr im Sinne der alten Glasmalerei farbig DSCDÖIM 
wirkenukönnen, läßt schon aus der farblosen Abbildung sich entnehmen. 
Immerhin ist der dekorative Reiz seiner Werke noch bedeutend. Aber 
es ist nicht zu verkennen, daß die Auflösung der Gattung herannaht. 
Um den Zusammenhang nicht zu zerreißen, wollen wir schon hier, 
über den zeitlichen Rahmen dieses Kapitels vorlgreifend, vom Ende der 
Glasmalerei berichten. Es bot zuerst den täuschenden Anblick, als wäre 
es ein höchster Aufschwung. Die bedeutendsten Künstler Verschmähten 
es nicht, den Glasmalern Zeichnungen zu liefern. Die viergewaltigen 
Fenster im nördlichen Seitenschiff des Kölner Doms, ausgeführt 1507 
bis 150g, sind vom Sippenmeister, anderevom St. Severiner entworfen; 
für die Landauerkapelle und für das Pfmzingsche Fenster in St. Sebald 
zeichnete Dürer, für das Markgrafenfenster ebenda Hans Kulmbach, für 
den Dom von Eichstätt der ältere Holbein; und allbekannt sind die zahl- 
reichen Entwürfe des jungen Holbein," Hans Baldungs und vieler "anderer
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.