Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3222465
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3225368
s 
Kunst. 
Jahrhundert in der darstellenden 
verfolgen läBt; ein ausgezeichnetes Altarwerk in Öhringen (Abb. 308) hat 
fränkische Züge ; ebenso die mit.der Malerwerkstatt Herlins zusammenhän- 
genden Arbeiten aus Nördlingen (in Rothenburg, DinkelsbühljHeilsbronn, 
Bopfingen). Was im besonderen Sinn schwäbisch genannt wird, ist ober- 
schwäbisch, und wenn es hier auch mehrere Werkstätten gab (nach- 
weisbar in Memmingen, Ravensburg, Biberach), so blieb der Vorort, wie 
schon früher, Ulm.  Jörg Syrlin der jüngere setzte die Schreiner- 
werkstatt des Vaters und Großvaters fort, nachweisbar  
Durch Verträge beglaubigt ist eine lange Reihe von Gestühlen; soweit 
sie erhalten sind, einfach; das reichste in Blaubeuren. Was sich von den 
bei ihm bestellten Altären an Bildwerkresten erhalten hat, ist ungleich 
und gehört nicht zu den besten Ulmer Arbeiten der Zeit. Indessen ist 
die Eigenschaft als Bildschnitzer bei ihm ebenso problematisch wie die 
des Vaters; es liegt kein Grund vor, sie zu verneinen, aber auch kein 
ausreichender, sie zu bejahen. Das schönste Altarwerk Süddeutschlands, 
das Blaubeurer, kann im Schreinerwerk mit ziemlicher Wahrscheinlich- 
keit für ihn in Anspruch genommen werden, die Skulpturen desselben 
hingegen ganz sicher nicht.  Die beiden am häufigsten und ehren- 
vollsten genannten Bildhauernamen sind die Brüder Michael und 
Gregor Erhart. Beide spielen auch nach Augsburg hinüber. Michael 
hat zusammen mit Hans Holbein d. den Hochaltar "für Weingarten 
(1493), Gregor wieder-mit Holbein den Hochaltar für Kaisheim (1502) 
geliefert, also für zwei der vornehmsten Abteien Oberschwabens. Es 
wäre seltsam, wenn unter dem beträchtlich großen Skulpturenvorrat 
dieser Zeit nicht auch einige Werke der beiden Erhart sich befänden; 
allein die Kennzeichen, sie herauszufinden, fehlen. Für Michael ist allein 
ein großes Kruzifix in Hall gesichert; als Anhaltspunkt für weitere At- 
tributionen zu wenig. Was nun Gregor betrifft, so glaubt man ihn in der 
Mittelfigiiri des Kaisheimer Altars, einer ins Berliner Museum übergegan- 
genen überlebensgroßen Schutzmantelmadoima, zu erkennen. Wegen 
der engen Aufstellung im Schrein kommt das majestätische Mantelmotiv 
(vgl. Abb. 302) nicht zu voller Entfaltung; die Figur der Mutter Gottes 
jedoch ist von einer in Schwaben sonst 'nicht üblichen Hoheit, und sehr 
feierlich hält sie den Andächtigen das Kind entgegen, das seinerseits ganz 
_Munterkeit und. Neugier ist; auffallend für die Zeit die schlichten, geraden 
Längsfalten und in der Bildung des Kindeskörpers die völlige Über- 
"Windung des mageren niederländischen Typus. Schon eimnal, im ersten 
Drittel des Jahrhunderts, war das Kind voll und kräftig gewesen, aber 
noch ohne den hier erreichten Liebreiz. Der Meister der Kaisheimer 
Madonna, ob er nun mit Gregor Erhart zu Recht identifiziert worden ist, 
(oder nicht, ist nun ohne Frage auch der Schöpfer der fünf großen Schreins- 
"figuren des Hochaltars von Blaubeuren von 1493 (Abb. 304). Von der freien
        

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