Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3222465
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3224453
Kapitel. 
Fünftes Buch erstes 
ergötzt sich am Widerspuch zum Funktionellen; sie schwärmt für den Vor-- 
hangbogen, für verwickelte Figuren in den Gewölberippen mit sich kräuseln-e 
den Verschlingungen, die an Hobelspäne erinnern, für endlose Überschnei- 
dungen an den Türen. Dagegen schreiten die Grundsätze der erzgebir-v 
gischen Schule in der Gestaltung des Innern der Kirchen siegreich vor. 
Beispiele: die Marienkirche in Pirna (1502-4546, Abb. 75), mehrere 
Kirchen in Nordböhmen (Hauptwerk die Marienkirche in Brüx 1517-- 
1540), die Thomas- und Paulinerkirche in Leipzig (seit 1482 bzw. 1519): 
und besonders die Marktkirche in Halle (seit 1529). Auch die Schloße- 
kirche in Wittenberg (seit 1499) gehört insofern in diese Reihe, als sich- 
in ihr rings um den großen einschifiigen Raum Emporen hinziehen. 
Wie man sieht, ragt ein Teil dieser Bauten unmittelbar in die Refor- 
mationszeit hinein. Um so bemerkenswerter ist, daß der bauliche Typus. 
schon vor der Reformation fertig war; diese hat kein neues Programm 
aufgestellt, nur das geschilderte weitergebildet. 
Das 
übrige 
Deutschland. 
Am Schluß des Mittelalters hatte sich das hergebraehte Verhältnis: 
der deutschen Landschaften offenbar umgedreht: führend bei der Neu- 
orientierung war der Süden und die östliche Hälfte der Mitte, der Westen 
wie der Norden verhielten sich vergleichsweise konservativ. Es ist hier 
im Westen überhaupt nicht imehr viel gebaut worden. Die Spätgotik 
wurde mehr von der dekorativen Seite aufgefaßt, nicht als ein neues 
Raumgefühl. Der wichtigsteBau des Oberrheins, St. Theobald in Thann, 
ist eine Basilika, allerdings voll von Kontrasten und Dissonanzen, z. B.. 
im Langhaus die Scheidbögen der Nordseite höher als die der Südseite, 
die Fassade ein buntes Allerlei von Asymmetrien, überhaupt im Fortgang" 
der langsamen Bauführung ein malerischer Grundton immer beherrschen- 
der hervortretend. Ebenfalls eine Basi]ika,der wichtigste Bau des Nieder- 
rheins, die Willibrordskirche in Wesel, schon von Haus aus fünfschiffig 
angelegt und mit der Absicht auf einen Kapellenkranz, stark betontes 
Querschiff  mit konzentrierter Pracht der Fassaden  alles Nachklänge 
eines Ideals, mit dem der Süden und Osten schon nichts mehr zu tun. 
hatte. Die Hauptunternehmung im mittelrheinischen Gebiet war der- 
Ausbau des Doms von Frankfurt a. M. Es ist bezeichnend, daß sich 
das ganze Interesse auf den Turm warf, begonnen 1415, vollendet 1514.. 
Er sollte durch Pracht und Größe wettmachen, daß .die Kirchenarchi-- 
tektur Frankfurts in ihren bisherigen Leistungen ziemlich hinter dem 
zurückgeblieben war, was dem Rang und Selbstbewußtsein der blühenden 
Reichsstadt angemessen gewesen wäre. Kurz vorher hatten Straßburg- 
und Ulm ihr-e großen Turmbauten begonnen. Der merkwürdige kuppel- 
förmige Abschluß an Stelle eines Sriitzhelms ist nicht ein Behelf, sonderm
        

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