Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3222465
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3223826
 Die darstellenden Künste.  IOI 
 
u   
Schwarzburger in Arnstadt, die Wettiner in Meißen, die Mecklenburger 
mit ihren Verwandten, der Königin Margarete von Dänemark und 
Albrecht von Schweden, in Doberan, die Markgrafen von Baden im 
Kloster Lichtenthal, mehrere Wittelsbacher von der pfalzgräflichen Linie 
in Amberg und Neumarkt. So vieles aus dieser Klasse sich erhalten hat, 
noch mehr vielleicht ist verschwunden.  
Gruppierung nach landschaftlichen Schulen ist ausgeschlossen, da 
bei dem Sehr ungleichmäßigen Bedarf die Ausführung in der Hand hin- 
und herziehender Wanderkünstler lag. Dies auch der Grund, weshalb 
die Ausführung sehr oft mit dem Todesdatum nicht übereinstimmt und 
weshalb zuweilen hochstehende Arbeiten in ganz entlegenen Orten und 
in sonst kunstarmen Gegenden sich finden. 
Die Grundformen blieben die herkömmlichen: die Tumba (Sarko- 
phag) und die Bodenplatte. Zu ihnen kam eine Nebenform hinzu: 
das Tischgrab, d. i. eine auf freistehenden Pfosten ruhende Platte (Abb. 
381). Vom Grabmal streng zu unterscheiden (was der bequeme Sprach- 
gebrauch allzuoft unterläßt) ist das Epitaph (Abb. 263)  Darunter hat 
man zu verstehen eine von der Grabplatte (die dann ohne Bildwerk bleibt) 
getrennte, über ihr an der Wand angeordnete Tafel. Die dargestellten 
Gegenstände sind dem gegenständlichen Kreise der religiösen Andacht 
entnommen, und die Bildnisfiguren der Toten werden nur in der herkömm- 
lichen Form der Stifterbildnisse hineingezogen. Bekannt sind uns nur 
steinerne Relieftafeln. Sie tauchen gegen 1350 auf, erlangen Bedeutung 
doch erst von 1400 ab. Es ist die Form, unter welcher die bürgerlichen 
Kreise zuerst an der Grabkunst einen Anteil gewannen. Den Epi- 
taphen verwandt sind die Totenschilde der Ritter.  Einezweite neue 
Erscheinung sind die Standplatten. Durch ihre Aufstellung an der 
Wand oder einem Pfeiler gleichen sie den Epitaphen, in Form und Inhalt 
ihrer Darstellungen den Bodenplatten. Eine Unterscheidung von den nach- 
träglich sehr oft, um sie zu schonen, an den Wänden aufgestellten Platten, 
die ursprünglich Bodenplatten oder Tumbendeckel gewesenwaren, wird nur 
durch ein nebensächliches Merkmal, die Behandlung des Randes, möglich. 
Schon wegen dieser Indifferenz ist die scheinbar geistreiche Erklärung 
aus dem allmächtigen vgotischen'Vertikalismusa verfehlt. Die Stand- 
"platten wurden ja erst häufig, als in der Baukunst das vertikalistische 
Prinzip dem Rückgang verfiel, im I5. Jahrhundert. Der wahre Grund 
ist allein der, daß mit der Zeit der Raum der Aufstellung von Tumben: 
und Bodenplatten zu eng wurde; an Orten, wo dies noch nicht einge- 
treten war, blieb man bei der altgewohnten Grundform; 
Schmückung der Tumbenwand durch Reliefs war schon im 13. Jahr- 
hundert bekannt (das Papstgrab in Bamberg). Charakteristisch für das 
I4. ist" die Architektonisierung. Eine Arkatur wird angelegt und mit 
Standiiguren ausgestattet. An fürstlichen Gräbern sind es, nach einer
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.