Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3218301
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3219135
Die karolingische Kunst. 
Säulen umgeben, mit elf heizbaren Gemächern, unter ihnen einen Keller, 
ringsum zwei Portiken, im Hofraum sodann siebzehn Holzhäuser mit 
ebensoviel Kammern, einen Stall, eine Küche, eine Bäckerei, zwei Speicher 
und drei Scheunen, die ganze Hofstatt mit einer Verschanzung fest um- 
hegt, die Verschanzung mit einem steinernen Tor, über diesem einen 
Söller 95. Zuletzt ein Gärtchen mit verschiedenen Obstsortenß Die 
andern Berichte lauten ähnlich. Vermutlich lagen die inspizierten Orte 
in den älteren Teilen des Reiches. Im Gebiet östlich des Rheins werden 
Königshöfe von so guter Ausstattung nicht eben häufig gewesen sein. 
Daß in den beschriebenen Beispielen manche Züge, besonders die Auf- 
nahme der Steinkonstruktion, auf römische Bauüberlieferung hinweisen, 
ist nicht zu verkennen. 
Aus der großen Masse der königlichen Gutshöfe (villae) ragt eine 
beschränkte, immerhin nicht kleine Zahl (nach der Schätzung von Plath 
über 150) hervor, die Pfalzen (palatia) genannt wurden. Ein genauer 
Begriffsunterschied ist nicht ermittelt. Den wachsenden Ansprüchen, 
die Hof und Regierung stellten, konnten auch von den Pfalzen nur wenige 
genügen. In Karls späteren Jahren, nicht erst seit der Krönung, doch 
gewiß durch die imperialistischen Ideen gefördert, ging sein Wunsch 
dahin, sich eine teste Residenz zu gewinnen. Er ersah sich Aachen dazu 
aus. Sein Sohn Ludwig bevorzugte Ingelheirn. An beidemOrten haben sich 
Reste erhalten, sehr spärliche über der Erde, etwas umfangreichere in den 
Fundamenten. In Ingelheim sind Ausgrabungen im Gange, in Aachen ist 
ihre Fortsetzung wegen der Überbauung des Palastgeländes mit Straßen 
und Wohnhäusern fast aussichtslos. Das Wenige und überdies Viel- 
deutige der Denkmäler- und Schriftüberlieferung läßt dennoch zwei allge- 
meine Tatsachen von Bedeutung, in Aachen wie in Ingelheim, klar 
hervortreten: I. Einheitsbauten, etwa in der Art des sogenannten Kaiser- 
palastes in Trier (wahrscheinlicher eine Thermenanlage), waren sie nicht, 
sondern Komplexe mehrerer in sich abgeschlossener Einzelbauten; 
2. die Gesamtgruppe war nach symmetrischen Achsen und rechten Winkeln 
geordnet. Hierin unterscheidet sich die Anlage durchgreifend von der 
lockeren Streulage der germanischen Herrenhöfe, die Baugesetze der 
alten Welt des Südens und Ostens haben Macht über sie gewonnen. An 
bestimmte Vorbilder, wie etwa den in Vorschlag gebrachten Lateranspalast 
in Rom, braucht man nicht zu denken. Eher an eine Nachwirkung des 
römischen Kastrums. Der Bauriß von St. Gallen zeigt zur Genüge, daß 
die Grundsätze regulärer Planbildung der karolingischen Baukunst nicht 
fremd waren. 
In Aachen (Abb. 3x) ist durch das Verhältnis der Königshalle A 
der Kapelle B die Komposition nach symmetrischen, genau den 
 Also wie in 
oben 
Lorsch
        

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