Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3218301
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3221699
Die Baukunst vom Ende des 12. bis zur Mitte des 1'3. 
Jahrhunderts. 
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aus ihrer parallelen Stellung zum Kreuzgangflügel gelöst und senkrecht 
zu ihm ins Freie ausgebaut (so in Maulbronn). In größeren Klöstern lag 
die Abtswohnung gesondert außerhalb der Klausur (in Maulbronn im 
Osten, in Hirsau im Süden). Ferner gab es hier noch ein paar Kapellen, 
regelmäßig eine hinten am Krankenhaus und eine andere vorn am Tor- 
haus (für Pilger und Frauen, da diese tiefer ins Kloster nicht eindringen 
durften). Das Hinterquartier ist in den uns erhaltenen Anlagen so reich 
wie auf dem St. Galler Idealplan wohl nie ausgestattet; das Schulhaus 
z. B. wird anderweitig untergebracht, das Wirtschaftsquartier dagegen 
weitläufiger angelegt und in unregelmäßiger Streulage der einzelnen 
Baulichkeiten. Eine Ringmauer mit" Graben, befestigtem Torbau und 
starken Ecktürmen vervollständigt die Ähnlichkeit des Klosters mit 
einer kleinen Stadt.  
Suchen wir unter erhaltenen Denkmälern nach typischen Beispielen, 
so möchten wir Groß-Komburg bei Schwäbisch-Hall und Maulbronn als 
Gegensätze einander gegenüberstellen.  Kombur g war ein Bene- 
diktinerkloster. Diese liebten freie und sonnige Lage, wenn die Gelegen- 
heit des Ortes es gab, auf einer Höhe mit steilem Abhang. S0 hat die 
Gruppe der Komburger Bauten, wenn man sich vom F lusse her nähert, 
ganz die Umrisse einer Burg. Man betritt den Klosterbezirk durch 
eine überaus stattliche Vorburg, flankiert von zwei Türmen, zwischen 
denen, über der Durchfahrt, eine Michaelskapelle liegt. Dann folgt ein 
zweites und drittes Tor und ein Treppenaufgang zur oberen Terrasse, 
eine sechseckige Kapelle. (Man vergleiche dagegen die noch nicht wehr- 
hatt behandelte karolingische Torhalle in Lorsch.) Kirche und Klausur 
sind barock umgebaut. Andere Beispiele von Bergklöstern: Arnstein 
a. d. Lahn (Abb. 194), die Petersberge bei Fulda, Erfurt und Halle, Quedlin- 
burg, in barockem Umbau Banz am Main und Neresheim im schwäbi- 
schen Jura; die Donauklöster oberhalb Wien.  Maulbronn ist da- 
gegen eine zisterziensische Musteranlage, schon durch die welt- 
abgeschiedene Örtlichkeit: inmitten eines großen Waldgeländes eine 
flache Talniederung mit einer Reihe von Teichen, die zu ihrer Entsumpfung 
und Urbarmachung angelegt waren. Heute hat die Eisenbahn den Weg 
auch hierhin gefunden und führt zahlreiche Besucher an den ebenso 
lehrreichen wie stimmungsvollen Punkt; im Mittelalter war er nur auf 
langen, einsamen Waldwegen zu erreichen.  Andere Beispiele: sehr gut 
erhalten Eberbach im Rheingau und Loccum in Niedersachsen, Bronn- 
bach an der Tauber, Bebenhausen bei Tübingen.  Als Musterbeispiel 
geben wir anstatt des oft abgebildeten Grundrisses von Maulbronn 
den von Eberbach (Abb. 213).   
Das Verharren der Klosteranlage bei der in der Karolingerzeit im- 
portierten Grundform bedeutete nun zugleich, daß hier, unberührt von 
der fortschreitend nordischen und deutschen Umprägung des allgemeinen
        

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