Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3218301
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3221591
D12 Baukunst vom Ende des 12. b1s zur Mltte des 13. Jahrhunderts. 289 
 
in Höhe des Erdgeschosses fertig vor. Auf diesen rheinisch-spätromani- 
schen Unterbau setzte er frühgotische Obergeschosse, die sich einem 
bestimmten französischen Vorbilde eng anschlossen, einem Vorbilde, das, 
nach seiner häufigen Benutzung zu urteilen, von den deutschen Bauleuten 
besonders hoch geschätzt wurde, der Kathedrale von Laon. Soweit 
könnte die Zurückführung des Limburger Doms auf seine Quellen wohl 
zu der Frage führen, wo denn da die Griginalität des Meisters bleibe. 
Denn die Erfahrungen in uns naheliegenden Zeiten haben uns mit Recht 
gegen Zusammenstoppelung von Reminiszenzen mißtrauisch gemacht. 
Hier aber handelt es sich um etwas anderes: eine wahre Synthese, wie sie 
nur dem schöpferischen Geiste gelingt. Nicht minder merkwürdig ist der 
im Limburger Dom ausmündende historische Kreislauf der Motive. Wir 
erinnern uns, daß die vielzahlige Gruppierung der Türme ein von alters 
gepflegter, echt deutscher Baugedanke ist. Auf dem Wege über die Nieder- 
lande war er in die F rühgotik Nordfrankreichs eingedrungen, wo er aber 
nur kurze Zeit in Gunst stand, da die eigentlich französische Anlage die 
mit zwei dominierenden Westtürmen ist. Der gruppierende Rhythmus 
ist überhaupt kein französisch-gotisches Prinzip, auch nicht in der inneren 
Anordnung. Bemerken wir also noch dieses: Die sieben T ürme der Kathe- 
drale von Laon sind über eine stark in die Länge gezogene Anlage ver- 
teilt und wirken dadurch Wesentlich anders als in Limburg, wo sie einem 
kompakt zusammengeballten Grundriß angepaßt sind. Um soviel größer 
und prächtiger die Kathedrale von Laon ist, keinen Augenblick werden 
wir doch zögern, zu bekennen, daß in Limburg der Gruppierungsgedanke 
eine weit vollkommenere Gestalt gewonnen  wiedergewonnen hat. Der 
deutsche Meister hat in der Fremde instinktiv vom deutschen Gedanken 
sich angezogen gefühlt und ihm, indem er ihn auf den heimischen Boden 
zurückverpiianzte, seinen ursprünglichen Sinn wiedergegeben. Es ist 
vollkommen wahr, trotz des französischen Zwischenspiels: im Limburger 
Dom vollendet sich, was in der karolingischen und ottonischen Grup- 
pierungskunst begonnen war.  Für den inneren Aufbau wird das Ver- 
hältnis zu Laon durch die Abbildungen hinlänglich ins Licht gestellt. 
Die Dome von Limburg und Magdeburg (der Absicht nach auch der von 
Halberstadt) sind die einzigen frühgotischen Bauten, die das französische 
Emporensystem aufnehmen. Für Limburg war es aber schon vorher, 
auf Grund des rheinischen Spätromanismus, beschlossene Sache. Neu 
ist das dritte Glied, das zwischen Emporen und Fenster eingeschobene 
Triforium, neu besonders die einheitliche Durchführung dieses Systems 
auch im Querhause, das dadurch scheinbar dreischiffig wird. Ganz wie in 
Laon ist der doppelte Strebebogen: ein unterer unter dem Dach versteckt, 
ein zweiter über demselben offen, aber im Außenbau wenig bemerklich, 
da er infolge der Kürzeides Langhauses jederseits nur einmal vorkommt; 
in Laon dagegemplsanghaus iundiChor zusammengerechnet, jrömailgvan 
Dehio, Geschichte der deutschen Kunst I. I9
        

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