Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3218301
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3221110
Die Baukunst 
 
Ende des 12. blS zur Mltte des I3. Jahrhunderts.  241 
 
VOITI 
daß man diesen Bauteil sehr nahe dem Ende des Jahrhunderts ansetzte. 
Die Lombardei kann aber als Geberin auch nicht in Frage kommen, denn 
sie selber kannte den Gedanken nicht. Er ist am Oberrhein auch nicht 
weiter verfolgt worden. Durch unbekannte Zwischenglieder letztlich auf 
die Antike zurückgehend, trifft er sehr merkwürdig mit den antikisie- 
renden Schmuckformen zusammen, die ebenfalls keine Nachfolge fanden. 
Der Dom zu Mainz (Abb. 101, 102, 179, 181, 182). Auch bei ihm 
handelte es sich nur um einen Umbau: wie in Speier Erneuerung der Hoch- 
schiffsgewölbe, des Querschiffs und Chors, hier des westlichen, dem jetzt 
die Bestimmung als Hauptchor gegeben wurde. Die Unternehmung 
begann ungefähr um die Zeit, als die Speierer zu Ende ging, in der Früh- 
zeit des 13. Jahrhunderts, und kam im Jahre 1239 zum Abschluß. Schul- 
zusammenhang mit Speier liegt in dieser Epoche  in der vorangegange- 
nen war er eng gewesen  nicht vor. Man fragt sich, was der große 
Künstler, der hier ans Werk kam, wohl gegeben hätte, wenn die Bahn vor ihm 
frei gewesen wäre. Allein er mußte nicht nur zum älteren Langhaus ein 
Verhältnis aufsuchen, sondern auch das Querschiff war schon begonnen. 
Trotz dieser Beschränkungen vermochte er es, einen Eindruck von maje- 
stätischer Pracht hervorzurufen, wie er bis dahin in Deutschland uner- 
reicht war, würdig der Bedeutung diesesDomes als Sitz desiPrimas der 
deutschen Fürsten. Um zunächst dieiAnordnung im ganzen ins Auge 
zu fassen, so treten zu der für Querschiff und Chor gegebenen Gruppe von 
vier quadratischen Grundrißfeldem zwei neue Elemente hinzu: die Er- 
weiterung des Chorquadrats durch Exedren und die starke Überhöhung 
des Vierungsraumes, in der die in den Seitenräumen angeschlagene Be- 
wegung zusammenströmt und machtvoll gipfelt. Leider beschränkt die 
sehr große Mauerstärke den Lichteinfall, so daß der schöne Gedanke 
nicht mit voller Wirkung zum Ziele kommt.  Man bemerkt hier aufs 
neue, wie sehr die Raumphantasie der Zeit dem Zentralbau zugewandt 
war. Ein zentrales Element liegt ja an sich schon in der Kreuzbasiljka, 
doch nur subordiniert. Hier ist nun, ein wenig auch durch Vergrößerung 
des Volumens, vornehmlich aber durch Verstärkung der Formen, die 
Intensität des Eindrucks so erhöht, daß man das Ergebnis für das Ganze 
wohl eine Kombination von Lang- und Zentralbau nennen darf, in der 
Tendenz der kölnischen Bauten dieser Zeit verwandt. Direkt unter diesem 
Einfluß steht der kleeblattförmige Grundriß des Chors. Die rasche Ver- 
breitung des am frühesten in der Kölner Apostelkirche auftretenden 
Motivs der lichtbringenden Vierungskuppel  wir können sie, wenn auch 
abgeschwächt, bis nach Straßburg und Freiburg verfolgen-gehört zu den 
bemerkenswertesten Erscheinungen im westdeutschen Spätromanismus f. 
 In Mainz geht aus der Gruppierung der Dienste an den Vierungspfeilefn hervor, 
daß noch unmittelbar vor dem Eintritt unseres Meisters Abschluß durch ein Kreuzgewölbe 
in gleicher Höhe mit den andern Teilen des Querschiffs geplant gewesen war. 
Dehio, Geschichte der deutschen Kunst I. I6
        

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