Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3218301
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3221091
 
Die Baukunst vom Ende des I2. bxs zur M1tte des V13. Jahrhunderts. 23g 
 
Zeit des ersten Werdens der Gotik im I2. Jahrhundert finden sich in der 
Templerkirche Roth a. d. Urs und der stattlichen Stiftskirche zu Merzig 
a. d. Saar: sie haben u. a. spitzbogige Säulenarkaden bei flacher Holz- 
decke. Als in Merzig der prächtige Chor gebaut wurde, schon im Anfang 
des I3. Jahrhunderts, war der Wind umgeschlagen, er wehte vom Rhein 
her.  Der belangreichste Bau im Nahegebiet ist die Klosterkirche 
Sponheim, einer der nicht häufigen Fälle in dieser Zeit, daß ein Bene- 
diktinerkloster zu einem Neubau sich entschloß. Der mit Unterstützung 
des mächtigen Grafengeschlechts, dessen Burg daneben lag, im späten 
I2. Jahrhundert begonnene Bau blieb eine Zeitlang liegen. Er wurde 
im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts gotisierend eingewölbt, zugleich 
im Plan reduziert: nur das erste Joch des Langhauses kam zur Ausführung 
und mit Unterdrückung der Seitenschiffe. So entstand, dem ersten Plan, 
der auf eine normale Kreuzbasilika, und zwar von stattlichen Abmessun- 
gen, ausgegangen war, entgegen, aber doch nicht ganz unwillkommen, 
ein aus fünf Quadraten zusammengesetztes gleicharmiges Kreuz, also ein 
Zentralbau. Ein achteckiger Vierungsturm bekräftigt noch diesen Cha- 
rakter. Der Raumeindruck des Inneren ist frei und weit, die äußere 
Gruppe durch schön geführten Umriß ausgezeichnet, prachtvoll behandel- 
tes Quaderwerk, sparsamer Dekor.  Zusammenfassend ist zu sagen, 
daß die Diözese Trier trotz ihrer westlichen Lage keine nennenswert frühe 
Tendenz zur Gotik bekundet hat. St. Thomas an -der Kyll steht als 
Zisterzienserbau außerhalb des provinziellen Bauwesens, und der Beginn 
der Liebfrauenkirche in Trier, womit die Schwelle überschritten wurde, 
liegt wenig vor 1242. 
Der Oberrhein. Linkes und rechtes Ufer, Landschaften alter und 
junger Kultur, unterschieden sich noch immer bestimmt, wenn auch so 
schroff nicht mehr wie in der vorigen Epoche. Am linken Ufer lagen die 
fünf Bischofsstädte, lag ein Hauptgebiet des staufischen Allodialbesitzes, 
lag das gelobte Land des Kleinadels und der Stadtbürger, dieser beiden 
für die Kultur des I3. Jahrhunderts immer wichtiger werdenden auf- 
strebenden Gesellschaftsgruppen. Es war der wirtschaftlich höchst- 
entwickelte und vielleicht auch geistig regsamste Teil des damaligen 
Deutschland. Das kunsthistorische Bild dieser Landschaften aber, wie 
es sich heute zeigt, weist große Lücken auf. Reich an staufischen Denk- 
mälern ist nur das Elsaß. Dagegen Rheinpfalz und Rheinhessen, in denen 
wir nach den historischen Voraussetzungen den vollsten F lor des Kunst- 
lebens zu erwarten hätten, sind, ebensowohl mit dem Elsaß Wie mit dem 
Mittel- und Niederrhein verglichen, heute arm. Es ist die Folge end- 
loser Kriegsverwüstungen vom Bauernkrieg bis zur französischen Re- 
volution. Nur einige entlegene Klosterkirchen der Zisterzienser und die 
Bauten der festen Städte haben standgehalten, die vielen kleinen und
        

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