Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3218301
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3219977
Mittelfomänische 
Baukunst. 
Heinrichs 
Spätze-it 
der sechstürmigen Gruppe nicht lassen wollte.  In den viertürmigen 
Kompositionen sind die Türme nicht mehr Beigeordnete eines mächtigeren 
Mittelmotivs, sie dürfen deshalb sich freier in die Höhe recken, der in den 
isolierten Glockentürmen ursprünglich gegebenen Gestalt sich nähern. 
Doch immer wird zwischen Ost- und Westtürmen weislich unterschieden. 
Jene sollen neben der Masse des Chorhauses nicht zu stark sich geltend 
machen; umgekehrt die Westtürme, weil nach Abstoßung des zweiten 
Chors keine horizontalen Ausladungen mit ihnen konkurrieren, lassen dem 
Bewegungsüberschuß freien Lauf im Aufwärtsstreben. Aber selbst hier 
an den Fassadentürmen, wo für das moderne Gefühl Symmetrie uner- 
läßlich wäre, kann der romanische Stil oft genug es sich nicht versagen, 
den beiden Partnern ein gewisses Maß von Sonderwillen zuzugestehen, 
indem nur die Geschoßhöhe gleich, aber die Einzelausbildung oft genug 
ungleich gegeben wird. 
Was wir bisher betrachtet haben, ist Gliederung der Massen im ganzen, 
gehört sozusagen zur Ästhetik des Schattenrisses. Eine zweite Ordnung 
von Formen, der wir uns nun zuwenden, verfolgt das Ziel, die großen 
Flächen zu teilen und aus der latenten Massenbewegung in sich abge- 
schlossene F ormsymbole herauszukristallisieren. Dieser immer noch 
architektonisch, nicht dekorativ gemeinten Gliederung können sich rein 
dekorative Motive anschließen, "wovon aber unsere Epoche erst sparsam 
Gebrauch macht. Bestimmte, zwecklich bedeutsame Bauteile, nämlich 
die Hauptapsis, die Eingänge und die Glockengeschosse der Türme, werden 
lebhafter gegliedert. Niemals aber hat die deutsche Baukunst die Fassaden 
als isolierte Schaustücke behandelt, wie mehrere französische Schulen 
und fast alle italienischen es tun (zuweilen Marmorfassaden vor Backstein- 
langhäusernl), vielmehr ist Einheit der Substanz und der Behandlung 
für sie eine unverbrüchliche Regel. Das schon in der vorigen Epoche 
rezipierte Hauptmittel der Flächengliederung ist die Lisene und der 
Bogenfries. Es gibt aber vornehme Bauten, die auf sie verzichten und 
allein auf den würdevollen Eindruck eines schönen Quaderwerks sich ver- 
lassen. Erst das I2. Jahrhundert hat den Großquaderverband zum 
Gemeingut gemacht, vorbehalten, daß die heimischen Steinarten sich 
dazu eigneten. Am Mittel- und Niederrhein z. B. werden oft die Flächen 
in Schieferbruchstein, nur die Glieder in Werkstücken aus Tuff oder Sand- 
stein gegeben unter geschickter Ausnutzung der malerischen Gegensätze.  
Zu den schönsten Eingebungennder Bauphantasie des I2. Jahrhunderts,  
wesentlich ein Verdienst der westdeutschen Schulen, gehört die Gestaltung, 
die sie der Chorapsis gab (Beispiele Abb. 178, 181, 191). Ein Gerüst senk- 
rechter  bald als Lisene, bald als Halbsäule geformter  und wage- 
rechter Glieder  Gesimse, bald mit, bald ohne Bogenfries  umkleidet 
die Mauer in dreiteiligem Aufbau: das untere Geschoß als Sockel, in der 
relativen Höhenabmessung sehr wechselnd; das mittlere dominierend,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.