Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3218301
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3219887
118 Zweites Buch zweites Kapitel.   
Weiter abwärts am Mittelrhein, genauer gesagt in einem Seiten- 
tale desselben, liegt die Kirche des Benediktinerklosters Laach  
Wenn sie zu den schönsten und charaktervollsten Repräsentanten des 
deutsch-romanischen Stils gerechnet wird, so hat man dieäußere Bau- 
gruppe im Auge (Abb. 195). Der Innenbau kann ein so großes Lob nicht 
hervorrufen (Abb. 79, 80). Als Dokument zur Geschichte des Gewölbe- 
systems ist er aber von großem Interesse. Wir finden hier nämlich 
einen von Speier und Mainz abweichenden Weg eingeschlagen. Zur Er- 
läuterung sei folgendes eingeschaltet. Das Kreuzgewölbe, wie die Römer 
es ausgebildet hatten und wie die romanische Baukunst es nicht anders 
kannte, empfing seine Form aus der rechtwinkligen Durchdringung zweier 
Tonnengewölbe. Die vier Kappen, aus denen es sich zusammensetzt, sind 
mithin Ausschnitte aus Zylindertlächen; damit sie im Scheitelpunkt zu- 
sammentreffen können, müssen sie aus gleichen Radien gebildet sein, also 
gleiche Höhe der Randbögen und gleiche Seitenlänge des den 
Grundriß bildenden Vierecks besitzen, d. h. dieses muß ein reines 
Quadrat sein. Weiter: das Maßverhältnis des Mittelschiffs zu den 
Seitenschiffen kann nicht ein beliebiges sein, sondern jenes muß 
genau doppelt so breit sein als diese, weil nur auf diese Weise für 
den Grundriß das geforderte Quadratnetz gewonnen werden kann. Man 
nennt dies das gebundene System. Es wurde in der deutschen Bau- 
kunst, nachdem Speier und Mainz (wenn auch infolge ihrer Abhängigkeit 
von einem älteren Grundriß noch nicht ganz konsequent) damit voraus- 
gegangen waren, die allgemeine Regel. In Laach nun hat man sich diesem 
Zwange nicht unterwerfen wollen. Man ließ die Jochteilung durch Mittel- 
und Seitenschiffe gleichzahlig durchlaufen und gab somit für die einzelne 
Abteilung den quadratischen Grundriß auf; derselbe wurde in den Seiten- 
schiffen ein vermehrtes, im Mittelschiff ein verringertes Quadrat (Längs- 
rechteck 7- Querrechteck). Die Vorteile dieses Verfahrens für die Auf- 
teilung des Raumes sind einleuchtend, die Nachteile liegen in der Ge- 
wölbeform. Solange an eine andere als halbkreisiörmige Gestalt der Rand- 
bögen noch nicht gedacht werden konnte (erst die Gotik mit ihren Spitz- 
bögen "fand den Ausweg), so lange blieb nichts anderes iibrig, als die über 
den Schmalseiten der Rechtecke stehenden Bögen zu stelzen, die über 
den Breitseiten stehenden korb- oder segmentbogenartig zu drücken  
wie es in Laach auch geschehen ist. Die dabei entstehenden Linien sind 
häßlich, und man begreift, daß diese Einteilungsart nicht eher wieder auf- 
genommen wurde  als bis die Gotik neue Lösungsmittel an die Hand 
gab. Wir aber als Beobachter wollen es uns notieren, daß gleich schon 
die ersten Gewölbebasiliken  Speier und Laach, jedes an verschiedenen 
 Begonnen 1093. Nach dem baldigen Tode des Gründers, des Pfalzgrafen Hein- 
rich II., der Bau eingestellt. Wiederaufgenommen 1x12. Geweiht 1156. 
" Einmal doch: in Altenstadt am Lech. hier nach lombardischen Mustern.
        

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