Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Kunst
Person:
Dehio, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3218301
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3219862
Zweites Buch zweites Kapitel. 
 
verändert blieb. Die im 12. Jahrhundert ausgeführten Arbeiten haben 
nur den Charakter von Restaurationen. Seitdem wurde nicht mehr Hand 
an ihn gelegt bis zu der von dem Feldherrn Ludwigs XIV.  in dem- 
selben Jahr," in dem das Heidelberger Schloß zur Ruine wurde und ein 
gleiches Schicksal auch dem Dom von Worms zugedacht war -begonnenen 
Zerstörung. Dieselbe kam zwar nicht zu Ende, war aber umfassender, 
als im allgemeinen bekannt ist. Wie der Dom nach Auslassung der Ostteile 
aussah, zeigt die in Abb. 69 a wiedergegebene Ansicht aus dem Jahre 1754. 
Der Sohn des großen Rokokobaumeisters Balthasar Neumann, Franz 
Ignaz, baute das Langhaus wieder auf. Er tat es mit einer archäologischen 
Gewissenhaftigkeit, die jedem modernen Restaurator Ehre machen würde. 
Nur im Westbau, den er gänzlich zertrümmert vorfand, überließ er sich 
seiner Phantasie. Was im I9. Jahrhundert (bis 1854) der Nazarener- 
architekt Heinrich Hübsch an seine Stelle gesetzt hat, ist ein mißbehag- 
licher Bastard -weder archäologisch genau noch künstlerisch frei. Noch 
bedauerlicher ist die Glättung und Bemalung des Innern; ihre frömmelnd 
süßliche Modernität bringt in die Urtümlichkeit und Mannhaftigkeit der 
alten Architektur einen unleidlich falschen Ton. Außerdem hat die ver- 
schleifende und verschleiernde Überarbeitung jede eindringende Bau- 
analyse unmöglich gemacht. In allem daher unvermeidlichen Streit über 
viele Einzelfragen ist man sich über einen Hauptpunkt doch einig: 
darüber, daß der, wie gesagt, unverändert gebliebene Grundplan Kon- 
rads II. auf flache Holzdecken berechnet war, und zum andern, daß die 
ersten Gewölbe (nicht die heutigen, die teils aus dem späten x2., teils 
aus dem I8. Jahrhundert herrühren) von Heinrich IV. ausgeführt wurden. 
Wieviel Heinrich IV. im Aufbau vom Werk seines Großvaters und Vaters 
hat bestehen lassen, und wieviel wieder von seinem Werk dem staufischen 
Umbau gewichen ist, kann zurzeit mit Sicherheit nicht angegeben werden. 
Halten wir uns also an den gesicherten Hauptpunkt. Daß als Gewölbe- 
form nur das Kreuzgewölbe in Frage kommen konnte, verstand sich nach 
der bisherigen deutschen Entwicklung von selbst.  Aus den gegebenen 
Stützpunkten ließen sich aber für die einzelnen Abteilungen keine rein 
quadratischen Grundrisse gewinnen, wie- sie nach dem damaligen Stande  
der Technik das Ervvünschteste gewesen wären. Immerhin konnte man 
nicht daran denken, dem Mittelschiff ebensoviel Gewölbeabteilungen zu 
geben, als es Arkaden hatte "F, vielmehr wurde der Grundriß so aufgeteilt, 
daß auf je zwei Gewölbe der Seitenschiffe eines im Mittelschiff kam. So- 
weit war die Entwicklung zum sogenannten gebundenen System (siehe 
darüber S. 118) schon vorbereitet. Dagegen wurden die Pfeiler noch 
nicht differenziert. Ihre alternierende Verstärkung durch Vorlagen, 
wie der jetzige Zustand sie zeigt (Abb. 68, 72) ist ein späterer Zu- 
Speier teilt 
enge 
die ungewöhnlicn 
Arkadenstellung mit 
Marien 
im Kapitol.
        

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