Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schiffbauhölzer bis zyprische Erde
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3207626
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3217459
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Zeitmejflmg 
Zeitzünder 
Ellipfe läuft. Um gleiche Intervalle, die für die Praxis allein brauchbar {ind, für je einen bürger- 
lichen Tag zu erhalten, denkt man {ich für die wahre Sonne eine fingierte  mittlere  Sonne 
gefetzt; die jeweilige Rektafzeniionsdifferenz diefer beiden Sonnen, verwandelt in mittlere Zeit, 
ift die Zeitgleichung für den betreffenden Moment. In den alironomifchen Jahrbüchern findet 
{ich die Zeitgleichung für jeden mittleren oder auch wahren Mittag des Jahres für den Meridian 
des Jahrbuches angegeben und außerdem daneben die Veränderung der Zeitgleichung für 
1Stunde, {o daß man ihren Betrag leicht für jeden Moment und jeden Ort ausrechnen kann. 
 Dadurch, daß man {ich die fingierte Sonne auch zugleich im Aequator tiatt wie die wahre 
in der Ekliptik umlaufend denkt, kommt es, daß die Zeitgleichung im Jahre nicht zweimal, 
fondern viermal gleich Null wird; dies erfolgt zwifchen dem 15. und 16. April, zwifchen dem 
14. und 15.Juni, dem 1. und 2. September und zwifchen dem 24. und 25. Dezember, während 
die Extreme erreicht werden nahezu am ll. Februar mit  14m 25S, am 14. Mai mit -l- 311150S, 
am 26. Juli mit -6m18S und am 3. November mit  16m 218.  Die umliehende Kurve läßt 
den Verlauf erkennen. Man findet folche oder ähnliche Kurven häufig auf Sonnenuhren mit 
verzeichnet.  z. Ämbrorln 
Zeitmeffung. Die afironomifche Definition und Fetilegung der Zeitpunkte ili für 
technifche Zwecke kaum je von Belang. Wichtig aber iii oft die MetTung einer beftimmten 
Zeitdauer, das ift alfo des Abftandes zweier Zeitpunkte von einander. Beide Begriffe unter- 
{cheidet man äußerlich, indem man unter 4h 20m 215 den Zeitpunkt zwifchen 4 und 5 Uhr 
nachts verfteht; die Schreibweife 4h 20m 215 aber gibt die Zeitdauer von rund 411„ Stunden, 
die ein Verfuch gedauert hat.  Man mißt die Zeitdauer mit der gewöhnlichen Uhr, deren 
Genauigkeit die aller anderen Meßgeräte weit zu übertreffen pflegt. Zur Beltimmung einer 
kurzen Zeitdauer i{'t die Stechuhr (Stoppuhr, f. S. 702) vorteilhafter, bei der man einen Schlepp- 
zeiger durch Drücken auf einen Knopf in Gang und durch abermaliges Drücken zum Halten 
bringt; man liefl; die Zeitdauer zwifchen den beiden Drücken ab, ein dritter Druck bringt 
den Schleppzeiger wieder auf Null. Der Vorteil gegenüber der einfachen Uhr liegt namentlich 
darin, daß man den Blick nicht von dem beobachteten Vorgang fortnehmen muß; allerdings 
läßt das lngangkommen und Anhalten des Schleppzeigers Fehler entfiehen, die bei zu kurzer 
Beobachtungsdauer erheblich fein können.  Wo die Zeiten zwifchen einer Reihe von Vor- 
gängen in fchneller Folge fefizuhaiten find, regiltriert man die zu beobachtenden Vorgänge, 
etwa jeden ganz oder zum beftimmten Teil vollendeten Umlauf einer Mafchine, auf einem 
ablaufenden Papierlireifen als Marke, und läßt gleichzeitig auf dem Papiertireifen Zeitmarken 
 halbe oder ganze Sekunden  auftragen. Die Zeitmarken beftimmen die Ablaufgefchwindig- 
keit des Papierltreifens, zwifchen ihnen läßt {ich die zeitliche Lage der andern Markenreihen 
interpolieren. Zum Schreiben dienen Tinte, Blei- oder Silberfiift, oder bei {ehr fchnell auf- 
einanderfolgenden Vorgängen wohl elektrifche Funken, die das Papier zur metallenen Trommel 
durchfchlagen, dabei allerdings wegen der Ungleichmäßigkeiten des Papiers leicht um V2 bis 
lmm abirren, welchen Einfluß man durch Steigerung der Ablaufgefchwindigkeit bekämpft. 
Man kann auch die zu beobachtenden Meßgeräte oder Vorgänge kinematographifch aufnehmen 
und dabei eine Uhr mit auf dem Bild erfcheinen laffen. 
Literatur: Kataloge von A. Oft, Kempten, u. a. Gramberg 
Zeitfignal, Mitteilung einer einheitlichen Zeit, und zwar der Zeit des Meri- 
dians von Greenwich, über den ganzen Erdball auf iuukentelegraphifchem Wege 
durch eine Anzahl Radioftationen. Diefe follen nach den Befchlüffen der Parifer 
internationalen Zeitkonferenz von 1913 fo gewählt werden, daß auf jedem Punkte 
der Erde wenigltens einmal am Tage und in der Nacht die Signale aufge- 
nommen werden können. 
Die Verbreitung des Zeitzeichens erfolgt in Deuifchland durch den Rundfunk. Die Groß- 
funkftelle Nauen gibt täglich das Zeitzeichen um 055 und 1255; es wird durch die Rundfunk- 
fender übertragen. Letztere geben auch im Laufe des Tages noch mehrere Male die genaue 
Zeit an. S. 8. Bd. 4, S. 645. Jentfdr 
Zeitfignal im Seewefen, das in größeren Häfen meifi akufiifch (Kanonenfchuß, 
Sirene ufw.), aber auch ogtifch (Zeitball) und neuerdings drahtlos gegebene, die wahre Mittags- 
zeit am Ort anzeigende ignal. von Nießen 
Zeitzünder, mechanifche, follen die bisher gebräuchlichen Brennzünder erfetzen. 
Die Wirkung der Brennzünder als Zeitzünder beruht auf dem möglichft gleichmäßigen Abbrennen 
eines Pulverfatzes. Diele Gleichmäßigkeit wird aber durch längere Lagerung und durch den wech- 
felnden Luftdruck bei ihrer Verwendung in Frage geftellt. Ferner laffen {ich die großen Schuß- 
weiten entfprechenden Brennzeiten beim Brennzünder nur durch große Länge des Pulverfatzes 
erreichen, deffen Unterbringung die Größe des Zünders in ein Mißverhältnis zurGröße des Gefchofies 
fetzt. Beide Uebelftände follen durch den mechanifchen Zeitzünder eingefchränkt werden. Nach 
den Grundlagen für den Aufbau ihres Triebwerks laffen {ich drei Hauptgruppen unterfcheiden: 
Zünder mit Antrieb durch Schwerkraft oder Luftwiderliand, Zünder mit Flülfigkeitsbetrieb und 
Zünder mit Uhrwerk. Bei den beiden erlien Gruppen war ein zuverläfliges und regelmäßiges Arbeiten 
des Werks bei jeder Temperatur, Windrichtung und -liärke bis jetzt nicht zu erreichen. Dagegen 
arbeiten die Uhrzünder mit einem vollkommenen und zuverläffigen Zeitmeffer. Zur Verwendung 
im Gefchoß eignet {ich nur ein Uhrwerk mit Federantrieb von beträchtlicher Widerflandstähig- 
keit bei geringem Rauminhalt und Gewicht. Die Erfchütterungen und teilweife heftigen Stöße 
bei der Verfendung, auf den Märfchen und beim Schuß follen weder feine Haltbarkeit noch 
die Genauigkeit feines Ganges merklich beeinträchtigen. Beim fchußfertigen Zünder ifi das Uhr-
        

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